Phettbergs Predigtdienst

Sonst verlief der Regen-bogenball konventionell

Kolumnen | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Special Agent Kraft hat mich und meine Haare für den Regenbogenball geduscht. Nun folgen zwei ungewaschene Samstage, aber am Sonntag danach komm ich wieder dran! Werners Frack ist mir viel zu eng! Muss ich nun nackt zum Regenbogenball gehen? Manuel und Konrad sind eh so bildhübsch, dass ich ohne Frack nicht hinausgeschmissen werde? Nun geht’s ins Schlosshotel Schönbrunn, den Tanzenden zuzuschauen.

Konrad hatte am Regenbogenball Hunger und ging zum Stand auf der Kennedybrücke, dort fragte ihn einer: "Gehörst du auch zu den Schwuchteln?“ Was sollte Konrad auf diese Beleidigung antworten? Er wollte sich Geld sparen und hatte Hunger. Dass Konrad mir zuliebe sich einen schwarzen Anzug anzog und mich als Nothelfy begleitete ... Sonst lief der Regenbogenball konventionell ab. Wir Schwulen in unserer Not benötigen halt nur Égalité, so stand es bei einer Showbeilage auf einem Plakat. Bis das die Alltagsstruktur in Österreich erreichen wird?

Allein alle Männer zwangen sich, oder mussten sich in schwarze Bekleidung zwängen, und du sahst bei fast allen, dass sie dicklich werden, zuerst bei mir: Ich habe seit meinen Schlaganfällen, nach denen ich kurze Zeit 72 Kilo wog, nun wieder 82 Kilo.

Wir Schwulen sind Bestandteil der Gesellschaft. Alle leben wir in unseren Träumen. Die herzlichste Begegnung gelang mir, als ein bekennender, etwa gleichaltriger schwuler Polizist aus Vorarlberg sich mir vorstellte: sich keine Schande aus seiner Schwulheit bauen, fiel mir da ein! De facto wandern wir gut gelaunt zurück zur sexuellen Revolution und sind dann frustriert, baff, wie arg es hinten aussieht.

Manuel, Konrad und ich bekamen gratis die Ballloge 42. Hinter einer scheußlichen, vergoldeten Säule sahen wir im Rollator nix. Eigentlich müsste ich mir versprechen, da geh ich nimmer hin. Dann könnt ich aber nirgendwo revolutionär antanzen. An Konrad und Manuel hängend, hab ich aber doch einmal getanzt.

All mein Leben besteht aus Symbolen. Nur mehr schlafen und essen bereiten mir Freude! Heute ess ich endlich den Kaiserschmarren, gehe nicht aus dem Haus, und den Rest verschlafe ich getrost, mache mir keinerlei Schande daraus. Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt sich’s weiter ungeniert!

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