Logbuch

Sonst ist es aber sehr super und nett

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

31.1., 10:50 Uhr. Anti-social ist ein tolles Add-on. Man aktiviert es und kann dann nicht facebooken. Oder twittern, falls man twittert.

5.2., 03:07 Uhr. Drei Tage lang hat der Lange für zwei Schwägerinnen, vier Nichten, zwei Töchter und seine Frau gekocht. Es gab einen 10-Liter-Topf Gerstensuppe, es gab Lasagne mit und Lasagne ohne Fleisch, es gab, aus der restlichen Fleischsauce, Pasta Bolognese, es gab Sauerkraut mit zweierlei Knödeln, Ripperln, Bratwürstel und Frankfurter. Alle aßen alles begeistert, bis auf ein Kind, das unter dem Ehrenschutz seiner Mutter alles beleidigt verweigerte, bis auf Semmeln mit nichts und einen halben Knödel.

Am dritten Tag war Shopping und Auswärtsessen angesagt, und nachdem die Mutter des besagten Kindes erwähnt hatte, dass sie schon so lang kein Sushi mehr hatte, wurde ein asiatisches Lokal vorgeschlagen, das sich bei den Mimis außerordentlich bewährt hat, weil es dort neben Sushi diverses knusprig Paniertes gibt. Die Mutter von dem Kind kriegte so einen Zug um den Mund und sagte, gut und schön, aber das mag ihr Kind nun einmal nicht, und irgendwann sollte es schon auch einmal etwas Warmes in den Magen bekommen. Nach mehr als zehn Jahren Essen mit Kindern könnte ich wegen so etwas immer noch durchdrehen. Mittlerweile lass ich es und liege stattdessen nachts mit Magenweh wach. Könnte aber auch an zu viel gutem Essen liegen. Und am Prosecco.

5.2., 13:20 Uhr. Statt zum Asiaten gehen wir in ein Schnitzelrestaurant, wo das Kind das Schnitzel beleidigt ablehnt und nur Pommes mit nichts isst. Sonst ist es aber sehr super, nett und lustig. Laut und voll auch, okay.

17:25 Uhr. Das Weiberrudel in den Zug gesetzt. Der Westbahnhof riecht nach Aromat, wie es meine Mutter früher immer an die Nudeln gemacht hat.

17:54 Uhr. Daheim. Sofa. Ruhe.

18:02 Uhr. Eins der Mimis kommt und teilt mit, sein Kopf jucke.

20:35 Uhr. Alle entlaust, alle nissengekämmt, die ganze Bettwäsche ab- und frisch angezogen. Magenschmerzen.

6.2., 08:20 Uhr. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften gekochter Haferflocken werden von meinem Magen bestätigt. Besser.

7.2., 00:54 Uhr. Auflegen beim Fest für Tocotronic im Gartenbau-Foyer. Tocotronic sind, soweit ich sehe, nicht da, ist aber völlig egal. Sehr nett hier. Würde gern Falcos "Helden von heute“ in der Donauinselversion zwölfmal hintereinander spielen, beschränke mich aber auf zweimal, a) weil es momentan eine Lieblingsnummer ist, b) heute sein 15. Todestag ist. Ich war damals am Begräbnis. Lange her.

10.2. Mini-Shitstorm auf Twitter, wegen einer Kolumne übers Brotbacken. Kollege F. berichtet mir per SMS davon; ich twittere ja nicht. Zugegeben: Brotbacken ist natürlich letztklassiges uncooles Spießergacksi, jetzt im Gegensatz zu coolem sonntagnachmittäglichem Hasszwitschern. Andererseits ist es besser fürs Gemüt. Und man hat danach was zu essen.


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