Fragen Sie Frau Andrea

Was tun in der Lambadschangasse

Kolumnen | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Liebe Frau Andrea,

in meiner Jugendzeit hörte man in Graz oft: "Jetzt bist in der Lambadschangassn“ - zum Beispiel im Sport bei einer zu erwartenden Niederlage. Eigene Recherchen in Graz haben keine Klarheit gebracht. Klammheimlich hoffe ich, dass vielleicht auch Sie, die Sie mir schon oft aus der Patsche geholfen haben, einmal nicht weiterhelfen können und ebenfalls in der "Lambadschangassn“ landen. Obwohl neugierig warat i scho, was mit dera Gassn is! Mit sportlichen (lieben) Grüßen,

Dietmar Werner

Graz/Wien, per Bernsteinfunkennachricht

Lieber Dietmar,

meine Landung in der Lambadschangasse darf ich Ihnen für einen späteren Zeitpunkt anbieten, Ihre sportliche Neugier allerdings kann hier und jetzt gestillt werden. Freizeitforscher aus meinem Umkreis durften sich ebenfalls an der Lösung des Rätsels beteiligen, gingen aber insoferne in die Irre, als sie den gesuchten Ausdruck volksetymologisch deuteten.

Einer der kreativeren Ansätze des Lambadschan-Rateteams sah eine Deutung in "Laampatschen“ (Lehmpatschen oder Leimpatschen), also Schuhwerk, das am Weitergehen hindert, weil es am Boden klebenbleibt. Auch die Via Labicana, eine antike Straße, in ostsüdöstlicher Richtung von Rom in die historische latinische Stadt Labici führend, muss als möglicher Begriffsursprung der "Lambadschangasse“ genannt werden, nota bene es sich bei beiden um Wege handelt. Die Via Labicana hat allerdings keine Spuren im Mythos der Niederlage hinterlassen und scheidet als Namensgeber aus.

Auch das hierorts weitgehend unbekannte Filipino-Fußballspiel (Sipa) Lambatan, eine Mischung aus Volleyball, Tennis und Fußball, gespielt zur Zeit des portugiesischen Weltumseglers Ferdinand Magellan hat mit unserem gesuchten Wort nichts zu tun. Die Lambadschangasse, synonym mit der "rue de gack“, also einer ausweglosen Situation, kommt aus der Gaunersprache. Im Jenischen, der Sprache der Vagabundierenden, wird der Pferch "Lambetan“ genannt. Die Lambetan kommt, auf welchen Wegen ist noch unbekannt, aus dem Altindischen, wo lábhate, lámbhate so viel heißt wie "erfasst“, "ergreift“, "fängt ein“, "nimmt fest“. Sinngemäß ist also die Lambadschangasse jener Ort, an dem es kein Entkommen gibt.


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