Menschen

In Staatstheatern

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Dass Österreich eine Kulturnation ist, konnte man vergangene Woche wieder prima beobachten: Tocotronic spielten im Burgtheater und der Rest der Welt feierte in der Staatsoper einen Ball. Aber so was von. Zuerst Tocotronic. Nachdem sämtliche Unklarheiten, die Sitzplätze betreffend, behoben waren (was nicht jeder weiß: In der Burg unten gibt es Parterre, Parkett und Cercle und überall gibt es eine erste Reihe), hob die beste Band Deutschlands zu einem Feuerwerk der guten Laune an. Toco-Frontmann Dirk von Lowtzow erzählte, dass man ihn in Österreich vor Jahrzehnten nicht hatte Schauspielschüler werden lassen. Entsprechend gestenreich genoss er den Abend auf der berühmtesten Theaterbühne im deutschsprachigen Raum sichtlich. Gespielt wurden viele neue Stücke aus dem aktuellen 20-Jahr-Jubiläum-Album "Wie wir leben wollen“. Aber auch das gute alte Zeug. Dass im Saal trotz Aufforderung niemand so recht tanzen wollte, nicht mal bei "Hi Freaks“, lag aber ganz bestimmt nur an Parterre, Parkett und Cercle.

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Übrigens wissen wir von mindestens einer Person des öffentlichen Lebens, die sowohl in der Burg bei Tocotronic als auch in der Staatsoper beim Opernball war. Wir wollen sie hier aber nicht nennen, weil sie zumindest eine der beiden Veranstaltungen privat besucht hat. Opernball also. Hier wollen wir uns bei der Berichterstattung nur auf die gruseligste Erscheinung des Abends beschränken: den deutschen Modeunternehmer Harald Glööckler samt Entourage aus Adelsdamen, die unter der Last ihrer Sisi-Frisuren ganz krumm gingen. Was war das denn!? Ist dieser Glööckler der neue Mööshämmer, wollten viele wissen. Niemals! Denn im Gegensatz zum Münchner Modezar lebt der Schwabo-Berliner Glööckler sein Schwulsein herzlich offen aus. Und ließ die Klatschpresse nach dem Ball wissen, er habe seinem Lebensgefährten Dieter Schroth zum 25-Jahre-Jubiläum einen Heiratsantrag gemacht. Schön. Aber irgendwie auch unangenehm. Vor allem wenn man bedenkt, wie unbeweglich Glööcklers Gesicht unter der Last zahlreicher Strasssteinchen war. Hatte der Mann Spaß in seiner Loge? Hätte man wahrscheinlich auch nicht sagen können, wenn sein gebotoxtes Antlitz strassfrei gewesen wäre. Dass damit Aufmerksamkeit vom Lugner’schen Dachboden, seiner Loge allerhöchsten Ranges, abgezogen wurde, dürfte Ball-Chefin Desirée Treichl-Stürgkh gefallen haben. Uns gefiel die Westwood-Robe von DTS über alle Maßen. Platz zwei aus der Falter-Moderedaktion geht an das Kleid vom Wiener Label Elfenkleid, das Debütantenchoreografin Iris Huber getragen hat. Platz drei? Das Tom-Ford-Teil, das ORF-Moderatorin Mirjam Weichselbraun anhatte. Obwohl in Tom Ford wohl jede junge Frau super ausschaut.

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Noch schnell eine Meldung aus dem Kunsthistorischen, wo man sich nahezu stündlich etwas Neues einfallen lässt, damit niemand vergisst, dass dort bald die Kunstkammer eröffnet. Und wieder geht es um die Saliera. Das Salzfässchen wurde, das weiß man, vor zehn Jahren entwendet und ist schließlich glücklich wieder im Museum gelandet. Seit vergangener Woche steht es an seinem neuen Platz. Direktorin Sabine Haag platzierte die Saliera höchstpersönlich und selbstverständlich behandschuht.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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