Tiere

Ausgelacht

Falters Zoo | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Da mir eine jugendliche Verkäuferin im Drogeriemarkt neulich eine Sonnencreme mit der Aufschrift "Faktor 50 plus“ empfohlen hat, habe ich beschlossen, mich auf ein Leben als alter Mann vorzubereiten. Normalerweise probiert man solche neuen Lebensperspektiven im Fasching aus, um zu sehen, ob ein Outfit mit - zum Beispiel - grauen Haaren, Buckel und Gehstock von der sozialen Umwelt überhaupt als Kostümierung wahrgenommen wird. Aber. Leider. Jetzt ist es zu spät, der Fasching ist vorbei und jetzt bleibt nur noch sühnen, fasten und für uns alte Männer auch noch die Erinnerung an vergangene Zeiten.

Damals - so fangen bei uns alle Sätze an - ging ich gerne auf Maskenbälle. Traditionellerweise sollen die Kostüme immer Tiere symbolisierten. So wie der Schellenrock, der dem krähenden, lauten Auftritt eines Hahns entspricht. Oder die großen, seitlich abstehenden Zipfel der Narrenmütze Ohren eines Esels sein sollen und auf besondere Hellhörigkeit verweisen. Und selbst die nur das Gesicht bedeckende "Larve“ ist ein Zitat, das uns die Metamorphosen des Tierreichs im wahrsten Sinn vor Augen führt.

Jetzt aber - das ist ein guter Einstieg für zweite geriatrische Sätze - konnte ich in der als Zeitschrift verkleideten Postille namens News lesen, waren die Kostümtrends 2013 bei Erwachsenen "nostalgische Outfits aus den 70er, 30er und 20er Jahren“. Aber hallo! Schlaghosen und Hemdkleidchen mit Stirnbändern kann ich mir vorstellen, doch selbst auf dem "Akademiker“-Ball hat man keine "Kostüme“ aus den 1930er-Jahren gesehen.

Dafür hielt sich FPK-Chef und Landeshauptmann-Stellvertreter Kurt Scheuch an das Tiermotiv und outete sich beim Faschingsumzug in Villach als Krokodil. Ein solches wollten ja manche Menschen letzten Sommer in seinen Fischgewässern bei Sachsenburg gesehen haben. Der Spitzenkandidat der Grünen, Rolf Holub, blieb dem Spaßmarsch fern, hätte sich aber gerne "als Kasperl verkleidet, um dem Krokodil eins drüberbraten zu können“. Rustikal gekontert.

Meine bevorzugte Tierverkleidung ist der Maskierte Strolch. So heißt eine heimische Raubwanze, die ihren Körper mit Staub und anderem Lurch regelrecht einpudert. So ein Kostüm macht einen zwar nicht zum Papageno, aber es ist in seiner Herstellung kostengünstig und gewinnt nach einer langen Partynacht, die man möglicherweise unter dem Schanktisch beendet, sogar noch an Patina.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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