Musik Tipp Magazinpräsentation

Die lustigen Abenteuer des Herrn Rokko Anal

LEXIKON | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Mit Punkkünstlernamen ist das so eine Sache. In jugendlichem Überschwang gewählt, finden sie oft länger Verwendung, als es den jeweiligen Protagonisten lieb ist. Der britische Sänger John Joseph Lydon etwa schlägt sich bis heute mit dem "Johnny Rotten" herum, den er sich als Sänger der Sex Pistols auf die Visitenkarte schrieb. Und als Lydons deutscher Kollege Andreas Frege sich einst nach einem Lutschbonbon "Campino" nannte, dachte er wohl auch nicht daran, dass man ihn noch als 50-jährigen Rockstar so rufen wird.

Aber immer noch besser "Campino" als "Rokko Anal". So lautet der subkulturelle Nom de Guerre, den sich Clemens Marschall irgendwann zugelegt hat. Marschall, ein höflicher, adrett frisierter und durchaus ordentlich gekleideter junger Mann, ist Autor, Musiker, studierter Musikwissenschaftler und vor allem Herausgeber des 2007 gegründeten Magazins Rokko's Adventures, in dem er etwa halbjährig aus seiner Welt berichtet. Marschall alias Rokko hat Geschmack, gleichzeitig liebt er das Geschmacklose -daher wohl auch sein Popo-Name. Er kommt zwar von der bösen, lauten Krachmusik (Stichwort: Melvins!), schreibt in seinem Heft aber über alles Mögliche. Musik auch, aber eigentlich mit jeder Ausgabe weniger. Rokko sucht nach interessanten Geschichten, und die findet er bei einem Kaffeehausbesuch mit dem Ex-Kicker Andreas Ogris oder einem Hausbesuch beim Alt-Austropopper Waterloo ebenso wie bei Saubartel-Schriftstellern oder Typen, die als menschliche Kanonenkugel durch Zirkusarenen fliegen.

Mit Konzerten der gewiss keinen belanglos-gefälligen Indiepoprock verabreichenden deutschen Bands Zentralheizung of Death (Des Todes) und Schnaak präsentiert Marschall die neue, zwölfte Ausgabe von Rokko's Adventures, einem Schwerpunktheft zum Thema Verbrechen. GS Rhiz, Do 21.00


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