Kunst Kritik

Plattenwechsel: was die Welt zusammenhält

LEXIKON | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Ihre letzte Ausstellung in Graz hieß "I love God" - eine ernst gemeinte Liebeserklärung. Auch bei ihrer aktuellen Schau "Time to change the record" in der Galerie Krinzinger scheut sich Zenita Komad nicht, Wörter wie "Spiritualität" in den Mund zu nehmen, allerdings fernab von Missionierungsabsichten. Die weltversöhnenden Anliegen ihrer Collagen, Skulpturen und Installationen liegen unter einer Schicht Verspieltheit begraben.

Aus einer Welthandelskarte von 1926 zieht die Künstlerin rote Seile, die sich schließlich zu einem Knäuel verbinden und dann an der Decke einen Stern bilden. Komad will damit die Versöhnung und Transzendierung der Konflikte darstellen, die auch in der derzeitigen Wirtschaftskrise wirken. In einer Vitrine stehen sieben Wachsabgüsse von Händen mit Docht. Sie bilden in Gebärdensprache das Wort "Lehchaim", einen jüdischen Trinkspruch auf das Leben. Surreal muten die riesigen Eisenschlüssel an, die jeweils in einer schwarzen und einer weißen Leinwand stecken: Metaphern für Gut und Böse. Weniger Pathos als Leichtigkeit verströmen die gelungenen Collagen, in denen die 1980 geborene Künstlerin alte Landkarten und Porträtstiche aus dem 19. Jahrhundert überzeichnet. Die wohl austarierte Schau funktioniert besser, wenn man keine Botschaft abzuleiten versucht.

In den kellerartigen Galerieräumen im Parterre geht Rosemarie Lukasser der Frage nach, wie Mensch und digitale Technik ineinander wirken. Der Betrachter betätigt dort selbst den Schalter, der alles in Gang bringt. Im Zentrum steht eine roh aus Metall, Gips und Stoff gestaltete Skulptur, ein Smartphonebenutzer, zu dem rote und blaue Kabel arteriengleich fließen. Wie ein Schatz leuchtet ein Licht in seinen Händen und fast scheint es: Wir starren auf den Monitor, als trüge er ein Heilsversprechen in sich. NS Galerie Krinzinger, bis 28.2.


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