Film Neu im Kino

Unterkühlt, hohl und doch spannend: "Arbitrage"

LEXIKON | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Außen hui, innen pfui: Der Hedgefondsmanager Robert Miller (Richard Gere) hat sich in äußerst riskante Geschäfte und Bilanzfälschungen verstrickt, hohe Verluste zwingen ihn zum Verkauf seines mächtigen Handelsimperiums. Der rettende Deal gestaltet sich schwierig, doch damit nicht genug: Als seine Geliebte bei einem Autounfall ums Leben kommt, flieht Miller vom Unfallort. Ein Cop (Tim Roth) heftet sich an seine Fersen, doch Miller ist ein Meister im Vertuschen und besitzt Nerven aus Stahl.

"Macht ist das beste Alibi" lautet der Untertitel zu Nicholas Jareckis Spielfilmdebüt "Arbitrage". Wenn sein Thriller auch sonst keinen tieferen Hintergrund besitzt, wird zumindest dieser Satz konsequent durchexerziert. Alles ist glatt, glänzend und schön in diesem Werk, das Streitgespräch an Streitgespräch reiht und Strick für Strick um den zweifelhaften Helden legt. Ein Musterstück der dramatischen Verwicklung, die unangenehm spürbar wird: Mit ruhigem Tempo baut "Arbitrage" große Spannung auf.

Wie Miller unter dem Druck seiner Geheimnisse überhaupt durchzuhalten vermag, erscheint fraglich, aber das Innenleben seiner Figuren interessiert Jarecki kaum -im Geschäftswie im Familienleben ist alles Rolle und Fassade. Die Taktik "cool bleiben und das Problem lösen" wirkt nicht unrealistisch, auch ist "Arbitrage" prominent besetzt (als Millers Ehefrau: Susan Sarandon) und bis zu den engen emotionalen Grenzen der Figuren gut gespielt.

Die wenigen Überschreitungen dieser Grenzen ändern jedoch nichts am Eindruck innerer Hohlheit. Und auch zu einem befriedigenden Ende findet die Geschichte nicht: Um zu berühren oder wirklich unbequem zu sein, ist "Arbitrage" schlicht und einfach zu unterkühlt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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