Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Wurstbombe

Falter & Meinung | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

So aufregend kann Falter sein. Eine einzige Ausgabe von vor 20 Jahren: Kurz nachdem einige Wochen zuvor Thomas Vašek mit seinem Wehrdienst-Verweigerer-Kommentar die Gemüter heftigst aufwühlte, gelangte an die Redaktion ein an ihn adressiertes Paket. Dieses wog etwa ein Kilo und sein Inhalt schien von irgendwie formbarer Konsistenz, aber nicht so weich wie Scheiße. Vašek und die eilig herbeigezogenen Redaktions-Attentatsexperten vermuteten sofort Plastiksprengstoff und erwogen, den Sprengmeister der Sicherheitsdirektion zu alarmieren, fürchteten aber eine Blamage. Schließlich sprach unser beherzter Empfangschef Josef Egger: "Papperlapapp, Wehrdienstverweigerer schicken keine Bomben“, nahm das Paket vorsichtig in beide Hände, trug es zwei Treppen hinunter in den Hof und öffnete es dort unter den bewundernden Blicken der Redaktion. Das Paket enthielt ein Kilo Extrawurst.

Auch Doris Knecht erhielt Geschenke.Nachdem sie ihre vorwöchige Kurzmeldung über eine Pressefahrt der IG Remise mit den Worten "das wird eine Blasenentzündung, so viel ist sicher“ eingeleitet hatte, sandten ihr die besorgten IGler ein Päckchen feinsten Blasentees. Die Knecht’sche Gesundheit erwies sich aber doch als robuster, der befürchtete Katarrh blieb aus. Im Gegenteil, Knecht ließ mitteilen, sie freue sich "auf viele schöne und erbauliche Pressetermine mit der IG-Remise“. Was immer das bedeutete.

Sie scheuten eben weder Tod noch Teufel. Die Titelgeschichte schrieb Klaus Nüchtern über den Brutalo-Comic-Zeichner und -Schreiber Frank Miller. Dessen Werk "Sin-City“ war bedenklich, also schon vergriffen. Nüchtern musste es sich ausborgen. Sein Bekannter, "ein pädagogisch ernsthafter Mensch, legte einen Zettel bei:, Lieber Klaus, bitte schreib nichts darüber. Es ist nichts für dich. Das Buch enthält sinnentleerte Gewaltszenen sonder Zahl, und die Handlung ist reaktionär-bedenklich.‘“ Nüchtern fügte hinzu: Wie Recht der Mann doch hat. Um dann noch dessen P.S. zu servieren: "Bitte mache mir wenigstens keine Flecken hinein.“ AT


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