Kommentar  Internet

Gefangen im Shitstorm: wie Amazon seine Kunden einsperrt

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

Pfui“, sagt ein User. Ein anderer schreibt: "Mein Kundenkonto wird gekündigt!“ Auf der Facebook-Seite von Amazon tobt der Shitstorm, jede Minute treffen wütende Kommentare ein. Die Kunden schimpfen über die Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum, wo Leiharbeiter mitten in Deutschland ausgebeutet werden.

Die Konsumenten erheben die Faust und drohen damit, ihr Konto zu löschen. Eine herzige Geste! Natürlich gibt es Alternativen zu Amazon (siehe Schwerpunkt S. 10), doch viele Kunden haben gar keine Wahl mehr. Sie sind in die Amazon-Falle getappt, haben sich um 79 bis 189 Euro einen Kindle gekauft, einen der E-Book-Reader des Onlinehändlers. Nun stellen sie entsetzt fest: Wer einen Kindle besitzt, kann nur Bücher aus dem Amazon-Shop lesen. Alle anderen Formate unterstützt das Gerät nicht. Die Kindle-Benutzer sollen erst gar nicht die Möglichkeit haben, auf andere Händler auszuweichen.

Das ist die Gefahr sogenannter "proprietärer“, also geschlossener Systeme. Viele Technikfirmen sperren ihre Kunden bewusst ein. Auch Apple macht strikte Vorgaben, welche Formate und welche Programme auf iPhone und iPad laufen dürfen.

Freiere Software? Die gäbe es natürlich. Etwa Handys oder Lesegeräte mit dem Google-Betriebssystem Android, das mehr Freiheiten zulässt.

Doch viele Kunden liefern sich Amazon oder Apple bewusst aus, weil deren Geräte so praktisch sind: ein Klick, und die App oder das E-Book sind auf dem Gerät! Dieses Service hat seinen Preis: Für mehr Bequemlichkeit zahlen wir mit Freiheit. Das mag angenehm sein, solange Amazon einen guten Ruf genießt. Aber wenn der Shitstorm ausbricht, merken wir, dass wir mittendrin sitzen.


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