Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste DJ der Welt der Woche

Theo Parrish: Wahnsinn mit Methode

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

Der DJ ist eine aussterbende Spezies. Mittlerweile erstellt ein jeder laufend Playlists. Bei vielen Partys ersetzt ein Laptop mit einem Programm wie Spotify den Schallplattenunterhalter. Oder aber Youtube dient als Soundquelle. Weite Teile der Musikgeschichte sind mit ein, zwei Klicks verfügbar. Typen, die mit schweren Taschen durch die Nacht ziehen, um ihre Platten aufzulegen, wirken da schwer anachronistisch.

Theo Parrish, ein US-Musikproduzent und DJ Anfang 40, ist eine Symbolfigur für die Gegenbewegung zu dieser musikalischen Häppchen- und Gratiskultur. Schon seit Jahren predigt er, dass, wer auflegen will, ein paar Jahre in das Zusammentragen einer ernstzunehmenden Plattensammlung und, vor allem, in das genaue Anhören seiner Schätze investieren solle, ehe er an die Öffentlichkeit tritt.

Das könnte man als altväterliche Ansicht interpretieren, wäre Parrish selbst nicht der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Forderung. Moden und Superstar-DJs der Dance-Szene kommen und gehen, der Detroiter House-Spezialist gilt ob seiner unverkennbaren Handschrift seit langem als rundum beste Kraft seiner Zunft. Je nach Tagesverfassung legt er mehr 80er-Acid oder neue Produktionen, Funk aus den 1970ern oder auch einmal europäischen Elektropop auf. In seinem Mix verschmelzen die unterschiedlichsten Stile auf überraschende Art zu einem völlig schlüssigen Ergebnis.

Eine gut dosierte Portion Wahnsinn kommt dazu: Parrish spielt gern mit den Reglern und dreht, mitunter scheinbar wahllos, den Bass oder die Höhen komplett raus. Am Ende freilich ergibt alles einen Sinn und löst sich in Momenten wunschloser Club-Herrlichkeit auf. Diesen Freitag kann man sich davon in der Grellen Forelle überzeugen.


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