Hier irrte Nietzsche

Feuilleton | Lobgesang: Klaus Nüchtern | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

Mit seinem vergnügtem Schulmeisterlein Wutz schuf Jean Paul einen stillen Giganten der Beschaulichkeit

Ach, wenn einer stirbt, dann stirbt nicht nur ein Mensch“, heißt es in einem Gedicht des Philosophen Günter Anders aus dem Jahr 1938. "Dann sterben alle / Dinge, die er liebte, mit ihm. / Ach, wenn einer stirbt, dann stirbt die Welt.“

Knapp eineinhalb Jahrhunderte zuvor wird diese Einsicht in einem kurzen Prosatext vorweggenommen und variiert, der paradoxerweise als "Eine Art Idyll“ ausgewiesen wird und in seinen berühmten Eingangssätzen den Tod genrekonform als sanftes Dahinscheiden imaginiert: "Wie war dein Leben und Sterben so sanft und meerstille, du vergnügtes Schulmeisterlein Wuz! der stille laue Himmel eines Nachsommers gieng nicht mit Gewölk, sondern mit Duft um dein Leben herum: deine Epochen waren das Schwanken und dein Sterben war das Umlegen einer Lilie (…).“

Wer von Jean Paul nichts anderes kennt als diese Zeilen, wird sich gegen deren unbestreitbare Poesie vielleicht


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