Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Schatzibabymausi!

Steiermark | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

Haben Sie Ihre Liebste oder Ihren Liebsten vorige Woche zum Valentinstag mit einem Präsent überrascht? Mit welchen Worten haben Sie es überreicht? Für dich, Häschen!? Eine kleine Aufmerksamkeit, Bärli!? Mausezahn, Spatzerl oder Schatzi - in den besten Familien werden Worte wie diese in den Mund genommen. Das Interessante: Diese sprachwissenschaftlich, soziologisch und auch psychoanalytisch hochbrisante Thematik ist so gut wie nicht erkundet.

Davon weiß Rudolf Muhr zu berichten, Sprachwissenschaftler an der Uni Graz, der auch für die Kür des österreichischen Wortes des Jahres verantwortlich ist. Kommendes Semester will er mit seinen Studenten dazu Forschungen anstellen. Da man das schlau getaktet vor dem Valentinstag verkündet hat, fand das Thema seine Beachtung. Was Muhr schon verraten kann: Ein Kosename drückt dringlich Intimität aus, beliebt sind Namen aus der Fauna, im Gegensatz zu den Deutschen setzen wir Ösis eher auf Diminutive à la "Haserl“. Und wirklich niemals sollten Sie einen Kosenamen aus einer ehemaligen Beziehung importieren, dann sind Sie geliefert.

So ähnlich haben wir uns das schon gedacht, nun hebt das endlich jemand in den empirischen Sattel. Auch für den Psychoanalytiker tut sich ein weites Feld auf: Haben wir uns mit dem Menschsein nie wirklich abgefunden? Könnten Kosenamen auch abseits von Intimbeziehungen, etwa im Berufsleben, für mehr zwischenmenschliche Nähe sorgen? Vielleicht wird derzeit an der Uni Graz, nach Kopernikus, Darwin und Freud, gerade die nächste fundamentale Kränkung der Menschheit vorbereitet - und wir sind allesamt, Schatzibabymausi, bloß infantile Volldeppen.


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