Film Neu im Kino

"Die Hard" Nr. 5: der Vater, der Sohn und Bonds Geist

Lexikon | D. Robnik | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

A Good Day to Die Hard": Bewährt bizarr übersetzt mit "Stirb langsam", Zusatz "Ein guter Tag zum Sterben", geht dieser Titel auf ein Motto von Sioux-Häuptling Crazy Horse bei der Schlacht am Little Big Horn zurück. Mehr ist nicht geblieben vom Faible für Westernfolklore, aus dem 1988 in "Die Hard" ein Prolopolizist, in fremder Sozio-und Topografie unversehens an Hightech-Terroristen geraten, sein Selbstbild schöpfte, auch seine Improvisationskunst und Zähigkeit -und sein Repertoire an Sprüchen: "Happy Trails!", "That was Gary Cooper, asshole!", "Yippee ki-yay, motherfucker!". Teil 5 spielt weit weg vom Weste(r)n: Gipfel der Zitierwut ist sein Spötteln über die Sinatra-Singversuche eines Taxlers in -Moskau.

Eh uns zu warm ums Herz wird: Kultureller Sinn dieses Actiongaudifranchise war die Modernisierung von unverwüstlichen (engl.: die hard) Bildern patriarchal-weißer Männlichkeit durch Zufuhr von Infantilismus (auch mit Glatze: ein ewiger Bub, den muss man mögen!) sowie das Hadern mit nicht-weißen Ethnien und einst neuer Technik. Blackness und Mobiltelefonie, daran arbeitete Willis sich so verbissen ab wie am jeweiligen Superschurken; im hierorts "4.0" betitelten Teil war sein Kontrastbuddy ein blasser Bub vom Stamm der Laptopnerds. Das war 2007; urlang her. Nun ballert Willis außerhalb Amerikas, aber ganz "bei sich", ist doch der Buddy sein entfremdeter Sohn (skilehrerhaft: Jai Courtney), ein CIA-Profi, der am Ende lernt, "Dad" zu sagen (am Ende von Teil 1 galt es noch, das Überwinden polizeilicher Schießhemmung zu lernen). Welt gerettet, Sohn versöhnt, Autos verschrottet, Locations vergeigt (Moskauer Ballsaal, Ruinenstadt bei Tschernobyl). Wer so stil-und konzeptlos den Geist und Formelkanon von James Bond herbeiruft, dem droht der Tod. Die slowly, Schweinebacke!

Derzeit in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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