Kunst Kritik

Auch ein schöner Rücken kann entzücken

Lexikon | NS | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

Eine Frau tritt auf, schlägt einen Nagel in die Tapetenwand. Das Bild, das sie aufhängt, ist "Mönch am Meer" von Caspar David Friedrich. Bald wird das Gemälde zum sprichwörtlichen Fenster zur Welt und der einsame Mönch erhält Gesellschaft von anderen Spaziergängern. In ihrer Videoinstallation "The Picture" spielt die deutsche Künstlerin Julia Willms auf gelungene Weise mit dem Thema Bild im Bild und paraphrasiert das Malereimotiv der Figur, die dem Betrachter den Rücken zuwendet. Die Arbeit ist Teil der Gruppenschau "Elastic Video", die derzeit im Kunstraum Niederösterreich läuft. Kuratiert hat das Künstlerkollektiv Plinque, dessen Mitglieder Markus Hanakam, Claudia Larcher, Liddy Scheffknecht, Roswitha Schuller und Armin B. Wagner seit 2008 gemeinsam Projekte realisieren. Die gezeigten Videoarbeiten streben allesamt in den Raum; als historische Referenz zum Expanded Cinema ist Peter Weibels "Imaginäre Video-Wasser-Skulptur" von 1971 zu sehen.

Aus dem enormen Bildreservoir von Google Earth schöpft Yuichiro Tamura Material für sein stilisiertes Roadmovie "Nightless", das die Geschichte eines jungen Mannes in der Ich-Form erzählt und doch nur anonym bebildert ist. Die Künstlerin Liddy Scheffknecht führt das bewegte und das unbewegte Bild hintersinnig zusammen: Auf das Foto von zwei Passanten projiziert sie mittels Video deren sich verändernde Schatten, so als wäre eine Kamera stundenlang auf sie gerichtet. Auf die Filmgeschichte referiert Alan Cicmaks Installation "Breakwater". Ein kurzer Teil des 1901 von einem Schiff aus gedrehten Films "Building a Harbor at San Pedro" hat der Künstler auf 48 Folien gedruckt. Der ursprüngliche Wackeleffekt durch die Wellen scheint mit der Ausrichtung am Horizont getilgt - aber nur auf den ersten Blick.

Kunstraum Niederösterreich, bis 16.3.


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