Die Women-Power-Fantasien von Garfield Trummer machen mur.at mobil

Lexikon | KRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 08/13 vom 20.02.2013

Selten haben Fotografien in der Freien Szene für einen derartigen Sturm im Wasserglas gesorgt wie Garfield Trummers "Heroines" (bis 1.3.). Auf der Plattform mur.at sah sich gar jemand "als Mensch, Künstler und Kurator" sowie "inhaltlich, ästhetisch und technisch" von den in der Galerie Centrum gezeigten Erzeugnissen beleidigt.

Der Grazer Künstler Trummer montiert seine comicartig überzeichneten Heldinnen in Actionfilm-Settings: in wild anmutende Natur, nach viel Öl stinkende Werkstätten, schummrige Hinterzimmer-Interieurs oder in endzeitlich behauchte Umfelder wie halb zerbombte Wolkenkratzerstädte. Lipgloss oder Lidbemalung Marke "Tigerkätzchen" fehlen selten, und auch sonst tun die Ladys einiges, um einer vermeintlichen Unangepasstheit im Beautysektor zu entsprechen: Tattoos und Piercings rauf und runter.

Mit seinen Inszenierungen verfolgt der Fotograf das Ziel, männlichkeitskonforme Rollenbilder aufzuzeigen: "Frauen werden in mächtigen und starken Positionen inszeniert, die üblicherweise Männern zugeschrieben werden", liest man auf seiner Homepage unter der Rubrik "Woman Power". Und man muss feststellen, dass es den Aufnahmen an Humor und fotografischer Akkuratesse nicht mangelt. Die Geschlechter aber werden von den Bildern, bei allem Domina-Effekt, wohl nicht näher zueinander geführt werden. Das liegt schlicht daran, dass die Fotos dann doch ein paar Männer-wie Frauenstereotypen zu viel ins Spiel bringen. So eine verdoppelte Maskerade reicht leider nicht ganz über den Fasching hinaus. Aber schön, dass auf mur.at auch über die Grenzen der Kunst nachgedacht wird.


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