Enthusiasmuskolumne Diesmal: der beste Informationsschleusenwart der Welt der Woche

Der tägliche Tauchausflug zum Frühstück

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Klar, man hat die Zeitung seines Vertrauens - und dann vielleicht noch ein paar. Die Angst, etwas verpasst zu haben, lässt sich aber auch durch extensive Lektüre nur bedingt verscheuchen. Dazu, diese Angst zu verringern, trägt jeden Vormittag "Perlentaucher" bei - die erste Feuilletonrundschau überregionaler deutschsprachiger Zeitungen, die im März 2000 online ging und damit gleich Standards setzte.

Ab sieben Uhr Früh fängt die kleine Redaktion von Thierry Chervel und Anja Seeliger in Berlin an zu lesen, ab neun hat man die Nachricht in der Mailbox und begutachtet den Fang des Tages. Und der ist nicht nur informativ, sondern macht auch Spaß.

Denn die Redaktion des "Perlentauchers" verfügt neben Ernsthaftigkeit und Genauigkeit auch über Humor. Witzige Passagen werden gleich zitiert, das Rezensentengesülze aber in der täglichen Bücherschau auch schon mal genüsslich durch den Kakao ge-oder erbarmungsloser Schelte unterzogen. Die internationale Magazinrundschau stellt ein Fenster zur Welt dar.

Diese Gatekeeper, auf die man heute stärker angewiesen ist denn je, selektieren und verlinken nicht nur, sondern führen unter der Rubrik "Im Ententeich" auch selber Debatten mit prominenten Autoren wie Jan Assmann oder Katharina Hacker, etwa zum Urheberrecht oder aktuell zum Monotheismus.

Getaucht wird auch nach Kino und TV, die Verweise auf "weitere Medien", unter denen sich auch Blogs oder Youtube-Beiträge finden können, sind ein besonderes Schmankerl.

Einziger Wermutstropfen: Österreichische Medien schaffen es eher selten in diesen Olymp des Kulturrelevanten. Laut Auskunft von Anja Seeliger hat das aber ausschließlich strukturelle Gründe. An uns soll's nicht liegen!


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