Kein Gift in der Suppe: viel Beifall für die Sammler goldener Salzstreuer und Haifischzähne

FALTER : WOCHE | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Mehr als zehn Jahre lang war sie geschlossen, aber auch davor lag sie schon länger im Dornröschenschlaf: Die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums, die diese Woche mit viel Tamtam wiedereröffnet wird, fand erst durch den spektakulären Diebstahl der Saliera 2003 internationale Beachtung. Eine kräftige Budgetaufstockung machte es der neuen Direktorin Sabine Haag - selbst Spezialistin für Elfenbeinskulpturen -möglich, die aufwendige Restauration der Objekte und die Neugestaltung der Ausstellungssäle anzugehen.

Tatsächlich zählt der Wiener Bestand an Kleinskulpturen, Goldschmiedearbeiten, Prunkgefäßen, antiken Uhren, Instrumenten und Automaten zu den größten und bedeutendsten weltweit.

Waren die Objekte früher nach Materialien gruppiert, so wurden sie in der aktuellen Präsentation nach ihren Sammlern geordnet. Auf diese Weise soll die Entwicklung der Kunstkammer von einer frühneuzeitlichen, mythisch aufgeladenen Schatzkammer bis hin zu einer kunsthistorischen Sammlung aufgeklärter Herrscher nachvollzogen werden. Wiewohl in schlichten, modernen Vitrinen aufgestellt, sind die Exponate jetzt doch viel theatralischer inszeniert als in der Vergangenheit. Den habsburgischen Erzherzögen und Kaisern wird in den insgesamt 20 Sälen auf 2700 Quadratmetern ausgiebig gehuldigt, etwa wenn eine Büste von Rudolf II. im Zentrum eines Raums steht und die von ihm erworbenen Schätze sternförmig um ihn herum angeordnet sind.

Aber Ausstellungskonzept hin oder her, es bleiben die kunstvollen Gegenstände, die den Betrachter in den Bann ziehen. Wer die Saaltexte studiert, erfährt mehr über ihre Herkunft und Verwendung. Zum Beispiel bei dem vergoldeten Bäumchen mit fossilen Haifischzähnen: Die sogenannte "Natternzungenkredenz" diente dem Test, ob ein Getränk oder ein Gericht vergiftet worden war. Laut mittelalterlichem Aberglauben sollten die "Natternzungen" bei toxischen Substanzen mit Schwitzen reagieren. Heiß wurde gewiss auch den misstrauischen Potentaten, wenn sie die scharfen Beißerchen aus Angst vor Feinden über ihren Speisen pendeln ließen.


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