Menschen

Westseller

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Go West" lautete die Devise vergangenen Freitag im Mumok, wo eine große Schau mit Werken von Franz West unter Zuhilfenahme von Bundes- und anderen Präsidenten eröffnet wurde. Museumsdirektorin Karola Kraus nahm mit Barbara Prammer und Heinz Fischer auf einer blitzblauen Wurstskulptur Platz, und eigentlich hätten gemäß der Devise ja auch die Pet Shop Boys ("Go West") spielen müssen. Nachdem diese aber keine Musen und Freunde des unlängst verstorbenen Wiener Künstlers gewesen sind, sondern eher so lässige Typen wie die Gelitin-Boys oder Philipp Quehenberger, waren eben diese da. Und neben einer aufgrund ihrer Kleptomanie einen zweifelhaften Ruf genießenden Society-Gräfin circa noch 60.000 weitere Eröffnungsbesucher; ein großer Erfolg. West-Muse Quehenberger trat dann später auch noch als DJ bei der Eröffnungsparty in den Hofstallungen in Erscheinung. Und die heißen, bitte schön, ab sofort West-Wing. Den Gratiswürstelstand dort könnte man übrigens auch stehen lassen.

Vom Westseller zum Bestseller: Wenn Hollywood-Filme wahnsinnig erfolgreich sind, dann machen die am Broadway in New York da neuerdings Musicals draus. Damit die Leute, die diese Filme schon auf DVD super fanden, auch noch ins Theater rennen. Im Ronacher hatte jetzt das Filmmusical "Natürlich blond" Premiere, in dem es darum geht, dass eine junge Frau blond ist und so intelligent, dass sie trotzdem erfolgreich ist. Barbara Obermeier spielt diese junge Frau, und man hangelt sich so von Song zu Song. Praktisch ist, wenn man die Handlung schon kennt. Dann kann man sich ganz auf die Musik konzentrieren.

Die Handlung von "Zweisitzrakete" kennen wir leider noch nicht, weil wir erst in der Gartenbau-Premiere sitzen, wenn dieser Falter schon gedruckt wird. Aber weil der neue Film mit Simon Schwarz, Thomas Stipsits, Alexander Jagsch und -yeah! - Manuel Rubey irgendwie Werbung braucht, war letzte Woche auf dem Stephansplatz schon einmal Reklame-Flashmob. Offenbar geht es um eine Selbsthilfegruppe, die von Herrn Schwarz geleitet wird, weshalb eine Reihe von Menschen vor dem Dom sehr seltsame Sachen mit ihren Körpern machen. Dazwischen ein Herr im Raumanzug. Hätte das Ganze nicht Flashmob geheißen, sondern Performance, wäre es fast schon was fürs Museumsquartier gewesen.

Im Museumsquartier nämlich bleibt heuer kein Stein auf dem anderen. Oder so ähnlich. Christian Strasser, Direktor des Areals, gab nämlich seine Pläne für den MQ-Sommer bekannt: "Ziel ist, das MQ als Ort der Kunst und Kreativität zu präsentieren." Weshalb man nun nicht mehr nur Kunst und Kultur in den Museen haben will, sondern auch auf den Höfen. Aber keine Angst: Die Enzo-Enzis wird es natürlich wieder geben. Und auch die Schanigärten müssen nicht sperrigen Skulpturen weichen. Wir lassen uns überraschen. Aber auch im MQ beginnt die "Sommer-Öffnung" erst im Mai.

Anstatt zur Premiere des Kampusch-Films zu gehen, waren wir am Montag dann doch lieber bei Patrick Wolf im Stadtsaal. Der Knabe aus London wird auch langsam ein Herr. Aber die Haartolle ist immer noch toll; genau wie der shakespeareske Auftritt. Der Gesang natürlich auch. Gegeben wurde ein sehr schönes Konzert ganz ohne Elektroinstrumente (abgesehen von einem Sampler). Vielleicht sollte man im Stadtsaal aber den Ausschank von Pepsi überlegen. Herr Wolf, der der braunen Brause sehr zugesprochen hat, musste davon nämlich ganz schön oft rülpsen.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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