Kunst Kritik

Chou-Chou und kein Chi-Chi: Pfoten weg

Lexikon | NS | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Sitzen oder nicht sitzen, das ist hier die Frage. Wer sich in der Ausstellung von Franz West im Mumok auf einem der unzähligen Stühle niederlassen möchte, muss zuerst das Schildchen daneben konsultieren. Die aktuelle Schau treibt die vom Künstler beabsichtigte Unentschiedenheit zwischen Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand auf die Spitze, indem sie von Fall zu Fall anders entscheidet - was zweifelsohne mit den Leihgebern zu tun hat. Aus dem Mumok selbst stammt in dieser Schau nämlich nur eine einzige Installation. Was hier in puncto Sammlung vergeigt wurde, ist bitter, wenn man bedenkt, dass West heute wohl als Österreichs erfolgreichster Kunstexport aller Zeiten gelten muss.

Einen anderen Weg des Anfassverbots ging man mit Wests Passstücken, die er ausdrücklich zur Interaktion erfand. Ein Video zeigt den im Vorjahr verstorbenen Künstler und seine Freunde Anfang der 1980er-Jahre beim Hantieren mit diesen Gipsskulpturen; in der Schau selbst stehen zwar einige "Ausstellungskopien" bereit, aber die hätte man sich in Wahrheit sparen können. Der Schwerpunkt der Schau liegt nämlich auf den Kombi-Werken des Künstlers, bei denen er mehrere Einzelteile zu einer Installation zusammengeführt hat. Im Zentrum stehen auch Wests Gemeinschaftsarbeiten. Die Kammermusik, die aus der in Punschkrapferlrosa getauchten Installation "Chou-Chou" ertönt, wird zum bald penetranten Sound.

Wiewohl die Schau etliche Highlights zeigt, etwa das museumseigene Trio von Papiermachéskulpturen "Redundanz" oder die Minibarinstallation "Curaçao", bleibt sie sperrig. West als großer Kollaborateur wird nicht dadurch greifbar, dass man die Namen anderer Künstler auflistet. Es fehlt eine originelle kuratorische Idee, die die Genese der Kombistücke und auch Wests Umfeld vermitteln würde.

Mumok, bis 26.5.


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