Kommentar Fußgängerzone Mariahilfer Straße

Eine Fußgängerzone schlägt keine Schneise in die Stadt

Falter & Meinung | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Schon sah man sich auf der Mariahilfer-Straße-Fußgängerzone flanieren, ohne Gedrängel und Gewarte vor roten Ampeln seine Einkaufstaschen durch die Gegend tragen, zwischendurch einen Milchkaffee ohne Autolärm und -gestank in einem Schanigarten trinken, da verdirbt einem - ausgerechnet! - Wiens Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank die schöne Shoppinglaune: Zwei Drittel der Unternehmen seien gegen die "Mariahilfer Straße neu", verkündete Jank. Kommt jetzt doch keine Fuzo zwischen Neubau und Mariahilf? 67 Prozent würden die geplanten Verkehrslösungen ablehnen, hieß es. Befragt wurden 9000, geantwortet haben 13 Prozent - die Aufgebrachten.

Jank lieferte bei einer Pressekonferenz drastische Bilder: Die neue Fußgängerzone führe zur "Trennung der gesamten Stadt", schlüge eine "Schneise in die Stadt". Würde Autobahnverkehr vierspurig über die Mariahilfer Straße geleitet, wäre der Aufschrei geringer. Bizarr die Befürchtung eines Kaufhauschefs, der glaubt, die Straße sei zu breit für eine Fußgängerzone. Schon klar, dass viele Betriebe noch nicht wissen, wie künftig Waren oder Hotelgäste zu ihnen gelangen. Aber: Genau an den entsprechenden Lösungen sollten die Experten in den nächsten Monaten ja arbeiten. Das mit dem Lieferverkehr funktioniert schließlich auch in Favoriten, Meidling oder auf der Kärntner Straße.

Apropos: Wie man hört (und nachlesen kann), war Anfang der 1970er-Jahre auch dort die Skepsis in Sachen Fußgängerzone groß. Nur war die Politik damals nicht zimperlich und zog das Projekt durch. Bei der Eröffnung hieß es aus dem Rathaus Richtung Geschäftsleute: Jetzt macht mal und füllt die Kärntner Straße mit neuem Leben! Ist doch gelungen.


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