Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Schweinerei?

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Geht es um Asylwerber, wird' s ratzfatz unseriös. Große Aufregung vermeldete die Krone, weil drei neue "Asylantenheime" in Graz aufsperren und damit 130 zusätzliche Flüchtlinge aus anderen Teilen der Steiermark nach Graz bringen. Eines der Häuser wird bis zu hundert Asylwerber beherbergen, führen wird es ein privater Betreiber, "ein Exalbaner!", hieß es. FP-Sicherheitsstadtrat Mario Eustacchio bemühte die Mottenkiste: "Das Boot für Flüchtlinge in Graz ist voll."

Dabei gibt es gute Gründe, Flüchtlinge eher in Ballungszentren unterzubringen, weil hier mehr Ausbildungsund therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Auch stimmt derzeit in manchen kleinen Gemeinden die Relation nicht, wenn etwa Mürzsteg mit 630 Einwohnern 200 Asylwerber zugeteilt wurden.

"Schweinerei", rief auch VP-Bürgermeister Siegfried Nagl, aber nicht weil er gegen mehr Flüchtlinge in der Stadt ist, sondern weil er von der Krone von den neuen Heimen erfuhr. Dieser Ärger ist verständlich. Immer wieder werden Bürgermeister vor vollendete Tatsachen gestellt, nicht einmal zum Standort dürfen sie etwas sagen. Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (SP) will das nun immerhin ändern.

Übers Ziel hinausgeschossen hat Nagl aber damit, dass er dem privaten Betreiber "fragwürdige Standards" unterstellt. Er wolle eben nicht, dass mit Flüchtlingen ein Geschäft gemacht werde, erklärt sein Sprecher, deswegen sei er gegen private Großquartiere. Nun kann man darüber diskutieren, ob mit der Flüchtlingsunterbringung jemand verdienen soll und ob die Standards verbindlich genug sind, um gute Betreuung sicherzustellen. Jedem Privaten von Haus aus Windigkeit zu unterstellen, ist aber auch unseriös.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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