"Es soll halt gscheit wumsen"

Clara Luzia kann jetzt auch lauter. Im Wuk stellt die Folkpop-Sängerin ihr neues Album vor

GERHARD STÖGER | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Es ist Aschermittwoch, 13 Uhr. Clara Luzia sitzt im Phil, um über das teils überraschend rockige neue Album "We Are Fish" zu sprechen. Vor ihr steht ein Krügel Gerstensaft. "Ich komme von meinem Job bei der APA, da brauche ich dann ein Entspannungsbier", erklärt die Wiener Folkpopsängerin.

Falter: Ihr neues Album klingt lauter als gewohnt. Ist die Stromgitarre in Ihr Leben getreten?

Clara Luzia: Die hatte ich eh von Anfang an, jetzt habe ich auch die Verzerrpedale dazu. Und die passenden Lieder, denn das ewige Traurige war schon ein bisschen fad. Traurig bin ich zwar immer noch, aber jetzt bin ich wenigstens energetischer traurig. Vor allem live macht es mehr Spaß, so Draufsteiger-Nummern zu spielen als dieses Lagerfeuerzeug.

Wie schreibt man laute Songs?

Luzia: Das frage ich mich auch. Wüsste ich es, gäbe es mehr davon. Als ich wirklich grantig war und am liebsten rund um die Uhr gebrüllt hätte, habe ich meine traurigsten, zerbrechlichsten Lieder geschrieben. Jetzt kann ich brüllen, für meine psychische Gesundheit ist es aber gar nicht mehr so wichtig.

Was folgte auf den Grant?

Luzia: Ich schwelge nicht gerade in Zufriedenheit, aber es geht mir besser als in den letzten Jahren. Es gibt aber noch genug Frust-und Aggressionspotenzial.

Welche Wirkung soll die verzerrte Gitarre erzielen?

Luzia: Es soll halt gscheit wumsen. Ich spüre es gerne, wenn die Gitarre schwingt und sich das auf den ganzen Körper ausbreitet, es pusht total. Der Idealeffekt wäre, dass auch das Publikum körperlich vibriert.

Wie sind bisher die Reaktionen auf die laute Clara Luzia?

Luzia: Eh gut. Wir mischen es ja und brettern nicht von der ersten bis zur letzten Nummer durch. Meinen Eltern war es zu laut, ansonsten heißt es eher: "Ah, ihr seid lauter geworden, schön!"

Mirjam Unger hat Sie und drei andere österreichische Musikerinnen im Dokumentarfilm "Oh Yeah, She Performs!" porträtiert. Wie gefällt er Ihnen?

Luzia: Ich habe mir mehr Inhalt, mehr Information und mehr politische Ansagen erwartet, aber ich respektiere Mirjams Sichtweise. Sie wollte den Leuten die Botschaften nicht hinknallen, sondern es subtiler angehen. Mir ist das zu wenig konkret, aber es ist wichtig und gut, dass es diesen Film gibt. Im Rahmen diverser Schulvorführungen dachte ich mir dann, dass diese Form vielleicht eh genau richtig ist, für das junge Publikum zumindest.

Wie laufen diese Schulvorführungen?

Luzia: Auffällig ist, dass bei den anschließenden Diskussionen fast nur die Burschen reden. Wobei da erstaunliche Fragen kommen. Nicht etwa, wie viel ich verdiene, sondern es geht um Gender oder darum, ob ich mich als Feministin bezeichne und was das für mich bedeutet.

Und, was bedeutet es?

Luzia: Gleiche Rechte ohne Ansehen des biologischen Geschlechts und keine Hierarchien. Weder stehen Frauen über Männern noch umgekehrt.

Was hat es mit "We Are Fish" auf sich, dem Titel des neuen Albums?

Luzia: Das rührt von der Evolutionsgeschich te her. Dass das ganze Leben aus dem Wasser kommt also. Für mich ist es eine Metapher dafür, dass der Mensch nicht von der Natur zu trennen ist und die Natur nicht nur dazu da sein kann, uns zu beliefern. Sie ist dem Menschen eben doch nicht untertan, sondern was wir ihr antun, tun wir uns selber an. Deshalb: "We Are Fish".

Warum musste denn gar so eine hässliche Fischleiche aufs Cover?

Luzia: "We Are Fish" ist eine klare Ansage, da passt kein stimmungsvolles Bild dazu. Das Motiv sollte ein Schlag ins Gesicht sein. Es ist ein ziemlicher Eye-Catcher, und zumindest ich finde den Fisch auch unglaublich schön.

Hatten Sie als Kind Angst vor Monstern?

Luzia: Das nicht, aber ich war mir in der Pubertät eine Zeitlang sicher, dass ich mich um Mitternacht in einen Wolf verwandle. Entsprechend stressig war es, wenn mein Papa abends im Wohnzimmer saß, während ich Platten hörte. "Bitte geh jetzt", dachte ich mir. "Es fängt schon an zu kribbeln, demnächst kommt das Fell!"

Jetzt singen Sie: "Get outside the light and see the monster in you." Ist damit dieser Wolf gemeint?

Luzia: Nein, da geht es sehr konkret um eine bestimmte Person, die ich nicht mag.

Wuk, Mi 20.00

INTERVIEW: GERHARD STÖGER


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