Mediaforschung Verführungskolumne

Lachen statt lenken: als die Autowerbung menschlich wurde

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Herzhaft lachen die Menschen, vom Baby bis zum Greis. Eine halbe Minute Glückseligkeit in einem Fernsehspot - man schaut den fröhlichen Leuten zu, und es wird einem wohlig warm ums Herz. Am Ende heißt es: "VW Fahrer haben's gut." VW ist die Abkürzung für Volkswagen, es ist eine Automarke. Was man in dem Spot nicht sieht: Autos.

Eine andere Werbung, diesmal von Hyundai, auch eine Automarke. Auf dem Sujet sieht man Sabine, Paul und andere schöne Menschen. Sabine freut sich über die "tollen Extras", Paul über die "preiswerte Komplettausstattung". Sie sind gut drauf, denn "Hyundai Fahrer haben's besser!" Nicht zu sehen auf dem Sujet: die Hyundais. Was sagt uns das? Ein Trend geht um.

In der Autowerbung zählt jetzt der Mensch, nicht mehr das Mobil. Klar, in Wahrheit ist's natürlich andersrum, da zählen nur die Verkaufszahlen. Um die nach oben zu treiben, gibt's 30 Sekunden gesponsertes Glück im Fernsehen. Das soll unserer Seele guttun. Und den Bilanzen der Autokonzerne ebenso. Aber funktioniert das? Kann man erfolgreich werben, ohne das Beworbene zu zeigen?

Natürlich, die Zigarettenbranche hat's vorgemacht. Damals stand das Thema Freiheit hoch im Kurs, coole Cowboys ritten durch die Prärie. Das sah auf den Plakaten sehr schön aus. Irgendwo zwischen den hinteren Hirnwindungen setzte sich ein gutes Gefühl fest. Früher oder später bekam man Lust auf einen Tschick.

Jetzt will man eben ein Auto. Es ist das gleiche Spiel. Und am Ende wird immer gehustet.


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