Kritik

Bitte nicht küssen: ein Theater-Theater-Spaß

Lexikon | WK | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Einem Stück, dessen Hauptfiguren Fandra Fatale und Jorgos Brontosaurus heißen, ist mit gebotener Skepsis zu begegnen. Und wenn in einem Stück das Theater selbst mitspielt, geht das auch nicht immer gut. "Ich war nie da" von Lukas Linder scheint also ein schwieriger Fall zu sein. Eine lebensmüde Frau namens Fandra Fatale lässt sich von einem Regisseur namens Jorgos Brontosaurus dazu überreden, statt aus dem Fenster zu springen, die Hauptrolle in seinem Stück zu übernehmen. Bei den Proben verliebt sie sich in ihren Bühnenpartner Mads, obwohl dieser nicht küssen kann.

Der Schweizer Lukas Linder (geb. 1984) wurde für sein Stück 2010 mit dem alljährlich vergebenen Hans-Gratzer-Stipendium ausgezeichnet. Die damit verbundene Uraufführung hat nun stattgefunden, und siehe da: Überraschung! Das Stück ist nicht die etwas bemühte Parodie auf ein Befindlichkeitsdrama, die man nach der Lektüre befürchten konnte, sondern eine total überdrehte, wirklich witzige Theater-Theater-Farce. Großen Anteil daran hat Regisseurin Lilja Rupprecht, die die Vorlage eine entscheidende Stufe weiter gedreht hat: Während Theater und Realität einander bei Linder abwechseln, ist in Rupprechts Inszenierung alles Theater. Das ganze Stück ist eine Probe, wir sehen also Theater auf dem Theater auf dem Theater und die Parodie der Parodie.

Dass das funktioniert, liegt nicht zuletzt an den Akteuren -und das, obwohl diesmal kein einziges "altes" Schauspielhaus-Ensemblemitglied auf der Bühne steht. Veronika Glatzner als Fandra gelingt das Kunststück, ihrer Figur inmitten all des Irrsinns einen Rest an Würde zu bewahren. Gabriel von Berlepsch ist ein herrlich durchgeknallter Regisseur. Und Susi Stach spielt Fandras Horrormutter als eine gnadenlose Rampensau, neben der man sogar Miss Piggy als uneitel bezeichnen müsste. Ein großer Spaß.

Schauspielhaus, Sa 20.00


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