Ohren auf Sammelkritik: eigenwillige Indiepop-Typen aus aller Welt

Zur Kinderjausn in Hipsterhausen

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 09/13 vom 27.02.2013

Eine junge Frau steht auf einer Waldlichtung, lediglich bekleidet mit einem durchsichtigen Umhang. Die Augen hat sie geschlossen, in der rechten Hand hält sie ein Schwert. Doch das gibt dem Covermotiv des schlicht "II" (Jagjaguwar) betitelten zweiten Albums von Unknown Mortal Orchestra nichts Bedrohliches, und trotz der Nacktheit wirkt es auch nicht erotisch oder gar aufreizend. Vielmehr verströmt es die Atmosphäre eines flüchtigen Traums: seltsam, schön und unwirklich.

Und lauten die eigenwilligen ersten Worte des Albums dann wirklich "Isolation can't put a gun in your hand / It can't put a gun in your hand"? Die Musik kontrastiert Leisetreterklänge mit prächtigem Frühsiebziger-Psychedelikpop, aber auch dem einen oder anderen Schweinerock-Irrtum. Das Orchester ist im Kern übrigens eine Einmannband, der Traumtänzer heißt Ruban Nielson, kommt aus Neuseeland und agiert von Portland, Oregon, aus.

Airick Woodhead wiederum stammt aus Toronto, sein Künstlername lautet Doldrums. "Heißer Scheiß, habe die Ehre!", schallt es aus Hipsterhausen, doch sein Debüt "Lesser Evil"(Souterrain Transmissions) macht es schwer, die Begeisterung nachzuvollziehen. Verwaschener Romantiker-Indieelektropop der Marke harmlos, aber nett trifft auf infantile Old-School-Computerspielsounds; die in ihrer Geschlechtslosigkeit durchaus charakterstarke Stimme wird in käsige Sounds gebettet, und die Beats sind eh okay, aber doch ein wenig unentschlossen. Die Neo-Gothic-Sirene Grimes, ein anderes Hipster-Liebkind, gilt als Verwandte im Geiste. Immerhin: Ganz so fad ist Doldrums nicht.

Weiter geht es nach Island zu Sindri Már Sigfússon, der als Sing Fang auftritt, sofern er sich nicht gerade um die mit der tollen Musikerin Sóley betriebene Band Seabear kümmert. Sein drittes Album "Flowers" (Morr) kombiniert mal zurückhaltenden, mal hymnischen Indiefolkpop mit ein wenig Elektronik und federnd-schwelgerischen Synthiepopmomenten. Dafür gibt es zwar keinen Originalitätspreis, aber mindestens ein Lächeln.


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