Neu im Kino

Slys Kurzschnitt: Action mit Axt und Gartenschere

Lexikon | Dr. Robnik | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

There’s nothing you could do to me that I haven’t done to myself for fun“, sagt ein Mafiaanwalt zum Cop, der ihn verhört, und zu dessen kleinkriminellem Kumpel, der ihn mit der Gartenschere foltern will. Den frechen Verbrecher spielt Christian Slater, vor 25 Jahren einer von Hollywoods jungen Wilden; den Schnippelfreudigen spielt Sylvester Stallone, vor 25 Jahren schon jenseits seines Zenits. Slaters Hinweis auf willentliche Selbstverstümmelung, die das Zufügen weiterer Verletzungen hinfällig macht, ist ein gutes Motto: für den Actionkrimi "Bullet to the Head“ (auf German "Shootout - Keine Gnade“) und dessen Star.

Die melancholische Anmutung von Schmolllippe und Feuchtauge, die stets mit Stallones Brachialgewalt einherging - selten war sie so sinnvoll: Alles ist merklich vorbei. Noch markanter an Slys Anblick, von wegen "done to myself for fun“: Er trägt Tattoos (hinten und durch die Rolle motiviert) und Titten (vorn und eher nicht durch die Rolle motiviert). Deshalb ist, in Kontrast zur Länge seiner rumpelnden Reden, sein Körper in den Kampfszenen (mit Feitel und Axt gegen Jason "Neo-Conan“ Momoa, mit Handtuch im Dampfbad) kaum je gut zu sehen; da beugen An- und Schnellschnitt vor.

Die Rhythmik ist oft gekonnt. Das bringt Regie-Altspatz Walter Hill ein, ebenso das ethnic coupling von Buddies auf Gangsterjagd: im Jahre Schnee in "48 Hrs.“ mit Eddie Murphy & Nick Nolte, nun mit Sung Kang & Stallone durchexerziert. Der Junge nutzt Computer, der Alte seine Straßenweisheit; das ist wie der Bluesrock im Score und das Spitzlicht im Bild. Alt und öd? Nein, das sind unsere 80er! Noch lässt die Retrokuh sich melken. Wer also schaut sich das an? Die, die sich 1989 "Die City Cobra“ auf Kassette ausgeliehen haben? Die, die sich 2012 "Expendables II“ gesaugt haben? Oder beide zusammen an Papis Geburtstag?

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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