Gasparone an der Oper: Walzer, Märsche und ein stolpernder Bürgermeister

Lexikon | Kritik: Herbert Schranz | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

56 Jahre nach der letzten Aufführung von Carl Millöckers Singspiel "Gasparone“ (1884) an der Oper Graz ist Österreichs Politiklandschaft so sumpfig, dass dem Regisseur Olivier Tambosi in seinem Grazer Debüt ironische Anknüpfpunkte geradezu entgegenwuchsen. So wies Daniel Doujenis als souveräner, geschmeidiger "Moderator“ Luigi mit seinem Meidlinger "L“ in "Sizilien“ auf einen möglichen Zweitschauplatz des Geschehens hin. Dass in der hier gespielten Berliner Revuefassung von 1931 Millöckers Ort Syrakus nach Trapani wanderte, signalisierte damals schon Vertauschbarkeit. Das reizvoll einfache, multifunktionelle Bühnenbild von Andreas Wilkens zeigt einen wie vom Walzerschwung gewellten Boden, auf dem unter Teppichen die möglichen Wahrheiten in Form von Zeitungsunterlagen hervorlugen. Auf der Bühne wird räuberisch getäuscht, zuerst vom korrupten Bürgermeister Nasoni (köstlich Götz Zeman) und dann vom "Fremden“ (Andrè Schuen), der den Bürgermeister stolpern lässt und der Gräfin Carlotta (Evelin Novak) ihre Schillinge zurückraubt. Eine heitere Rolle spielen der Tanz und seine Figuren, die manchmal ins Manierierte abgleiten (Choreografie: Stephan Brauer). Andrè Schuen als vermeintlicher Gasparone kommt stimmlich und darstellerisch erst nach einem Kostümwechsel in Fahrt (Kostüme: Carla Caminati). Deutlich lebendiger als die erste Darstellerreihe - Götz Zeman ausgenommen - war die zweite zu erleben: besonders Sieglinde Feldhofer als Sora. Treffsicher setzten die Grazer Philharmoniker unter Marius Burkert ironisches Wagner-Pathos neben süße Walzergeigen.


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