Meinesgleichen

Der seine Würde nie verloren hat: Stéphane Hessel

Falter & Meinung | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Vor zwei Jahren war Stéphane Hessel in Wien. Er hielt mehrere Veranstaltungen ab, gab Interviews, war - damals 93 Jahre alt - berühmt geworden als Autor des Büchleins "Empört euch!“. "Indignez-vous!“ hatte es im französischen Original geheißen, aber genau lässt sich das nicht ins Deutsche übertragen. Unsere Sprache, die Sprache der Philosophen und der Barbaren, hat in gewisser Weise, verglichen mit romanischen Sprachen, immer noch die Keule in der Hand. Hessel selbst lächelte, nein, nicht indigniert, aber leicht amüsiert-resigniert über die unerklärliche Differenz. Denn in der Empörung, als Sohn eines deutschsprachigen Dichters hatte Hessel das Gefühl für solche Wortbedeutungen, steckt das unbesonnene Auffahren, das Hochfahren, das Sich-hinreißen-Lassen zur Gewalt. Gerade das aber wollte der 93-Jährige nicht.

Ein absurderer Kontrast als der der heiteren Gelassenheit dieses Mannes zur Tatsache, dass er nun zum Vater aller Wutbürger stilisiert wird, lässt sich kaum vorstellen. Was ihm wichtig ist, sagt er einfach: "Man soll seine Würde nicht verlieren.“ Es sei ihm in seinem Alter gegeben, sagt Hessel, die Dinge einfach zu sehen. Wenn man eine einfache Ungerechtigkeit erkannt habe, sei es auch einfach, etwas dagegen zu tun. Einfach gesagt! Er sei ein alter Diplomat, erklärt er. Beglaubigt durch den Widerstand gegen Hitler. Überlebte das KZ. Formulierte die Erklärung der Menschenrechte 1948 mit. Am 27. Februar ist Stéphane Hessel in Paris gestorben.

Quelle:

* Seinesgleichen geschieht Falter 42/11


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