Glosse Sprachpolitik

Entlingt die Substantive nicht, der Frischling ist nicht drauf erpicht

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Es ist gewiss lohnend, die verbale Verfestigung von verächtlichen Vorurteilen zu bekämpfen und die entsprechenden Worte zu tabuisieren. Wenn jetzt angesichts des Umzugs der Flüchtlinge aus der Votivkirche im Zwitscherland die Frage aufkommt, ob man diese überhaupt so nennen dürfe und nicht doch "Geflüchtete“ oder "Refugees“ nennen solle, ist man aber geneigt, "Bitte nicht!“ auszurufen. Etymologisch betrachtet mag das Suffix "-ling“ auch abwertende Konnotationen haben, es wird dem Stichling allerdings auch keinen großen Prestigegewinn bescheren, wenn man ihn hinkünftig "Stecher“ heißt. Man weiß doch, wie das ausgeht: Weil dann diskursethisch hochgerüstete Besserwissersplittergruppen tausende Flugblätter wieder einstampfen, werden noch mehr Wälder gerodet, und die Frischlinge müssen hungern.


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