Kommentar  Gerechtigkeit

Ausgerechnet die Schweiz setzt der Managerkratie ein Ende

Falter & Meinung | Florian Klenk | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Wer hätte das den Schweizern zugetraut! Zwei Drittel sprachen sich dafür aus, dass die Entlohnung von Managern einer strengeren Kontrolle durch die Aktionäre unterliegt. Anlass für den hohen Zuspruch war wohl auch die Gier des Novartis-Chefs Daniele Vasella, der sich seinen Abgang mit 58 Millionen(!) Euro versüßen lassen wollte.

Die Bekämpfung solcher Sitten ist auch bei uns geboten. Denn es geht hier nicht um fleißige Unternehmer, die (wie etwa Frank Stronach oder Karl Wlaschek) ein Unternehmen gegründet haben und nun die Früchte ihrer Innovationen genießen. Es handelt sich um eine Erscheinung, die Kenner des Systems als "Managerkratie“ bezeichnen. Die Rolle des Eigentümers wird in vielen großen Aktiengesellschaften zunehmend von Fonds und anderen Finanzgesellschaften wahrgenommen, die sich im Aufsichtsrat von einer Kaste von Managern vertreten lassen, die sich immer mehr herausnimmt. Auch bei uns kassieren der Erste-Boss oder der OMV-Chef jährlich zwei Millionen Euro oder mehr, das sind rund 10.000 Euro pro produktivem Arbeitstag. Vor zehn Jahren lag der Lohn noch bei einem Bruchteil davon.

Eine Erklärung: Manager sitzen im Vorstand einer Gesellschaft, andererseits in mehreren Aufsichtsräten und oft in politisch relevanten Gremien und Parteien. Je nach Anlass setzen sie sich den einen oder den anderen Hut auf und stopfen sich gegenseitig, überzeugt von der Angemessenheit der Bereicherung, die Taschen voll. Die Schweiz hat erkannt, dass so ein System mehr Kontrolle braucht. So eine Art von "Markt“, das haben auch Bawag- und Telekom-Prozess gezeigt, ist nicht geeignet, die ganz normale Gier des Menschen zu regulieren.


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