Die Nacht, in der Wien braun wurde


Recherche: Barbara Tóth
Politik | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Wiederentdeckte Fotografien und private Tagebücher zeigen die Absurditäten und Schrecken des Alltags in den Stunden vor und nach Hitlers Machtergreifung

Österreichs letzter Tag brach mit eisblauem Himmel und warmen Sonnenstrahlen an. Der Mitteleuropa-Korrespondent der New York Times, George Eric Rowe Geyde, verließ an diesem Freitag, dem 11. März 1938, seine Wohnung in der Habsburgergasse in seltener Anspannung. In der Nacht war es in ganz Österreich zu Ausschreitungen der Nazis gekommen. Nun dröhnten Flugzeuge über der Stadt, sie warfen massenhaft Flugzettel für die geplante Volksabstimmung des autoritären Ständestaatregimes ab. "Ja mit Schuschnigg für ein freies Österreich“ stand darauf. Ein letztes patriotisches Aufbäumen. "Innere Stadt von seltsamen weißen Blüten übersät“, notierte Geyde, ein leidenschaftlicher wie kluger Beobachter der Geschehnisse.

Bundeskanzler Kurt Schuschnigg wusste zu diesem Zeitpunkt wohl schon, dass er vergeblich kämpfen würde. Adolf Hitler

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