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Politik | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Bücher, kurz besprochen

Ästhetik des kleinen Widerstands

Bevor Stephane Hessel vergangene Woche im Alter von 95 Jahren starb, hatte der Diplomat, KZ-Insasse und Widerstandskämpfer noch über seinen Bestseller "Empörung“ Resümee gezogen. Im Buch "Empörung - Meine Bilanz“ ruft Hessel dazu auf, das Leid und die Ungerechtigkeit, die unsere neoliberale Wirtschaft zeitigt, nicht einfach achselzuckend hinzunehmen. Gegen die scheinbar nicht zu verändernde Unmenschlichkeit des "Systems“ propagiert er eine Ästhetik des kleinen, humanen Widerstands, durch den der Mensch zur Menschlichkeit finde.

Wolfgang Zwander

Stephane Hessel: Empörung - Meine Bilanz. Pattloch, 233 S., € 17,50

Subversive Treffen im Internetcafé

Wie verändern soziale Medien und Web 2.0 die internationale Politik? Im Zusammenhang etwa mit dem Arabischen Frühling betonen die Autoren des Sammelbands "Digitale Herausforderung“ weniger die Funktion der sozialen Onlinemedien als Organisationswerkzeug, mit dem Widerstand akkordiert werden kann, sondern sie berichten vom Internet als Raum, in dem man frei sprechen und die Herrschaft kritisieren kann. Was den Revolutionären des 19. Jahrhunderts das Café gewesen ist, sei heute das Netz.

Nicht nur in autoritär regierten Ländern werden erhebliche Anstrengungen unternommen, um mithilfe hochgerüsteter Online-Überwachungssysteme Dissidenten aufzuspüren und zu verfolgen. Internetfreiheit, so heißt es in dem vorliegenden Band, werde das zentrale Menschenrechtsthema des 21. Jahrhunderts.

Stefan Hayden

Bettermann, Grätz (Hg.): Digitale Herausforderung. Steidl, 188 S., € 24


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