Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Zu bunt: Eine kleine Stadt kämpft gegen eine Lärmschutzwand

Politik | Joseph Gepp | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Im idyllisch-voralpinen Spital am Pyhrn, Oberösterreich, 2000 Einwohner, ist ein kurioser Streit entbrannt. Es geht um Lärmschutzwände. Allerdings ist es nicht, wie üblich, deren Abwesenheit, die eine Bürgergruppe rund um Eva Pühringer stört. Vielmehr missfällt den Spitalern die Anwesenheit der Wände.

"Diese Wand braucht niemand“, sagt Pühringer. Sie schirmt eine Bahnstrecke ab, die sowieso nicht oft befahren werde. Darüber hinaus ist es jedoch vor allem die Gestaltung der neuen Wände, die Pühringer und ihre Mitstreiter ärgert: Ein buntes Band in Grün- und Rottönen verstellt nunmehr den Ausblick auf hübsch verschneite Bergpanoramen. Das Rot sei der Mehrheitspartei in der Gemeinde geschuldet, lästern böse Zungen in Spital.

Der Streit fügt sich in eine aktuelle Debatte ein, die in letzter Zeit immer wieder hochkommt: Wer entscheidet, wie Raum auszusehen hat? Und wer schützt uns vor geschmacklichen Verirrungen?

Im Fall Spital am Pyhrn votierte die Mehrheit im Gemeinderat für die bunten Wände. Zuvor hatten die ÖBB, Bauherr und Finanzier des Projekts, der Gemeinde sechs Entwürfe vorgelegt. Nach einer Vorauswahl durch den Bürgermeister gelangten vier Varianten zur Abstimmung in den Gemeinderat. Der zog einen bunten Entwurf den schlichten einfarbigen vor.

Die Reaktion der Gemeindebürger sei nun "gespalten“, sagt SPÖ-Bürgermeister Aegidius Exenberger. Manchen erfreut "die bunte Frische“, andere beschweren sich. Exenberger verweist auf Skandinavien, wo buntgestrichene Häuser im Landschaftsbild ganz normal sind.

Der Fall Spital am Pyhrn ist übrigens nicht der erste Protest gegen Lärmschutzwände: Schon im Jahr 2011 haben Bürger im bayrischen Freilassing, gleich neben der Stadt Salzburg, gegen geplante Wände in ihrer Stadt protestiert. Den Freilassingern waren ihre Lärmschutzwände allerdings nicht zu bunt, sondern mit geplanten sechs Metern viel zu hoch.


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