Mediaforschung  Verführungskolumne

Die Stadt gehört vielleicht dir, aber mein Arsch gehört mir

Medien | C. Wurmdobler | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Der Weltfrauentag am 8. März scheint mittlerweile auch ein guter Tag fürs Marketing zu werden. Ein Möbelhaus wirbt derzeit mit Sonderangeboten zum internationalen Frauentag und lässt dabei nicht nur Preise, sondern auch Artikel durcheinanderpurzeln ("die Bücherregal, die Bett, die Kasten“). Bald werden Pralinen- und Schnittblumenindustrie aufspringen und irgendein Austropopper macht den passenden Song dazu: "Weusd a Wödfrau bist fia mi ...“

Pünktlich zum internationalen Frauentag plakatieren die Wiener Linien nun ein überraschendes Sujet. Zwei Frauen sitzen im Autobus; Kleidung und Handtaschen sollen signalisieren, dass die beiden unterwegs zu einem dieser berühmten "Mädelsabende“ sind, wie man sie aus US-Fernsehserien und Freundinnenkreisen kennt. Gute Stimmung, Ausgelassenheit, Spaß. Rechts von den Damen sieht man einen Herrn. Nicht das Gesicht, nur seinen knackigen Hintern in Jeans, tolle Muskeln unterm Shirt. Der Satz "Ich sag doch, du solltest mehr Bus fahren“, steht über dem Frauenduo, kicher, kicher. Abgesehen davon, dass es in Wiener Bussen selten so menschenleer und die Stimmung selten so gelöst ist (die sollten einmal den 13A nehmen!), wirft das hübsche Beispiel von Umkehrchauvinismus folgende Fragen auf: Der Bus ist doch leer, wieso steht der Typ? Würden wir immer noch kichern, wenn da zwei Männer den Jeanspopo einer Frau als bestes Argument fürs Busfahren propagierten? Und was wollen uns die Wiener Linien mit diesem Plakat überhaupt sagen? Autobusfahren ist für’n Arsch?


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