Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

TV-Kolumne

Das Fernsehen gehört zu jenen Massenmedien, deren Existenzberechtigung immer wieder angezweifelt wird. Die Unterhaltung findet im Computer statt, die Belehrung in Zeitungen. Einer der Gründe, warum es Fernsehen überhaupt noch gibt, sind die Tierfilme. Man würde nicht ins Kino gehen, um kopulierende Grashüpfer oder die Ernährungsgewohnheiten des Nacktmulls zu betrachten; in den Niederungen des TV-Programms sind solche Dokus dagegen ein Augenschmaus.

Es gibt nur eine Kleinigkeit, die all diese Naturberichte etwas nervig macht: der klagende Unterton. Immer ist eine Gattung gerade im Begriff auszusterben. Böse Menschen zerstören, hört man, den Lebensraum einer seltenen Vogelart. Beliebt ist auch der Hinweis auf die von der modernen Welt dezimierte Artenvielfalt. Der Mull frisst, der Grashüpfer vögelt, aber wie lange noch? Insofern sind Tierfilme auch Filme über das Fernsehen. Noch steht es nicht unter Artenschutz.


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