Enthusiasmuskolumne  Diesmal: Die beste Saubartelei der Welt der Woche

"Ich hab vielleicht ein Baby vom Taxifahrer“

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Onanierende Typen wichsen. Was aber machen Frauen, die sich selbst befriedigen? Sie masturbieren. Und umgangssprachlich? Da grübelt der Kindskopf im Mann - und freut sich, aus berufenem Munde die Antwort zu bekommen. Frauen wichsen auch. Oder eben nicht.

"Seit ich die Pille nehme, bin ich irgendwie zu faul zum Wichsen“, notierte Stefanie Sargnagel am 14.7.2012 in ihrem Tagebuch, das jetzt im großartigen Fanzine Rokko’s Adventures erschienen ist. Die 26-jährige Wienerin philosophiert da über dickadrige Tiroler Bergschwänze, einen Pizzalieferanten, dem der Penis abfällt, und Synonyme für das männliche Geschlechtsorgan. Und sie schreibt Sätze wie "Das Singledasein ist aufregend und das viele Rumhuren sorgt immer wieder für Überraschungen“, "Ich hab seit gestern urviele neue Feinde und vielleicht ein Baby vom Taxifahrer“ oder "Ich bin das Eiter in heiter.“

Schweinkram also. Nur unterscheidet sich der sowohl von den dirty old men, die sich in der Tradition Henry Millers und Charles Bukowskis versuchen, als auch von den dirty young girls, die so gerne Charlotte Roche wären. Sargnagel, die, so ihre Kurzbiografie, in Wien Bildende Kunst studiert, im Callcenter arbeitet und gerne ins Wirtshaus geht, hat einen ganz wunderbar individuellen Schmäh. Deshalb will sie auch kein bisschen wie die Roche sein, denn die ist irgendwie ja doch einen Tick zu krampfig.

Sargnagel ist selbst dann noch lustig, wenn sie sich infantilen Blödeleien hingibt und vom lauten Furzen im Callcenter schreibt. Sie ist auf entwaffnend einfache Art poetisch. Und ganz ohne Schweinigeln, das kann sie auch: "Vom Gemeindebau zum Gürtelmäci in der Jogging Essen holen gehen wollen und dabei von einer linksalternativen Fahrraddemo blockiert werden, das ist mein Leben.“


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