1938 und die Folgen: von der Niedertracht über die Opferlüge zum Eingeständnis der Mittäterschaft

Feuilleton | Erich Klein | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

:: Die Daten über die Verbrechen des Nationalsozialismus sind bekannt: Unmittelbar auf den "Anschluss“ am 12. und 13. März 1938 folgte eine Verhaftungswelle mit fast 60.000 Festnahmen, vor allem unter politischen Gegnern. Nach dem 9. November 1939 kam es in Wien zu wochenlangen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung mit zahlreichen Toten.

"Ich war bis 38 in Österreich, und was ich da an Spießbürgergemeinheit und Niedertracht erlebt habe, ist schlechterdings unentschuldbar“, schrieb der Autor Hermann Broch nach dem Krieg aus dem amerikanischen Exil.

Während der Shoah wurden ungefähr 65.000 österreichische Juden ermordet, mehr als 130.000 vertrieben. Der Umstand, dass die Republik jahrzehntelang der sogenannten "Opferthese“ anhing, spiegelt sich in vielen frühen Gedenkstätten und Mahnmalen - staatstragend etwa im äußeren Burgtor mit dem "Gedenkraum zum Andenken an den österreichischen Freiheitskampf“ von 1959.

Erst im Zuge der Waldheim-Affäre erfolgte ein Paradigmenwechsel


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