Ohren auf  Sammelkritik: jazzige Songs mit und ohne Worte

Auch böse Menschen haben Lieder

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Entgegen dem Klischee vom egomanischen Exzessmotoriker gibt es unter Drummern sehr wohl auch Subtilisten. Was Roberto Dani auf "Songways“ (ECM) macht, darf aber fast schon als perkussive Selbstentsagung gelten. Freilich ist er im Stefano Battaglia Trio, das mit seiner mediterranen Melancholie einem weitgehend groovebefreiten Jazz huldigt, schon der richtige Mann. Schön, wie Salvatore Maiore seinen Bass auf "Armonia“ zum Singen bringt. Wenn sich Pianist Stefano Battaglia in seinen Akkorden suhlt oder gar nicht mehr zu tremolieren aufhören mag, kommt freilich umgehend Kitschverdacht auf.

Um einiges abwechslungsreicher und überraschender ist das neue Projekt des österreichischen Posaunisten Christian Muthspiel. Wie der aus heutiger Sicht orthografisch unorthodoxe Titel "Seaven Teares“ (Act, VÖ: 22.3.) andeutet, geht es um die Tränen, die der Shakespeare-Zeitgenosse John Dowland in seinem gleichnamigen Zyklus musikalisch vergossen hat. Dass das Christian Muthspiel 4 mit elegischer


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