Nüchtern betrachtet 

Fassadenfarbe befördert Herzensverschlammung

Feuilleton | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

In seinem klassisch gewordenen Lied "Sie habn a Haus baut“ beklagt sich Arik Brauer darüber, dass ihm durch architektonische Intervention die Sicht auf den Himmel verstellt worden sei. Hätte sich die diesem Song zugrunde liegende Mentalität durchgesetzt, sähe Manhattan heute aus wie Brooklyn Heights oder Klagenfurt - womit natürlich nichts gegen Brooklyn Heights und fast nichts gegen Klagenfurt gesagt sein soll.

Dass sich die Stadtplanung nach den individuellen Wünschen ihrer Bewohner zu richten habe, galt lange Zeit als absurde Idee. Dann kamen Bürgerinitiativen und Volksbefragungen in Mode, der Sternwartepark blieb unverbaut, und die Kronen Zeitung entdeckte ihre Liebe zur Natur.

Nicht alles daran ist begrüßenswert, und hätte die Stadt Wien ihren Bürgern schon damals im Quartalsrhythmus mehr oder weniger ernst gemeinte Fragen zur Entscheidung vorgelegt, würde es heute keine Donauinsel geben. Die Menschen müssten ihren Hammel weiterhin im Hinterhof grillen und im eigenen Wohnzimmer


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige