Stadtrand Urbanismuskolumne

"I’m lovin’ it“ auf Wienerisch

Stadtleben | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Neulich, im McDonald’s-McCafé im Gasometer: Die Autorin stellt sich um einen schnellen Latte macchiato to go an. Vor ihr niemand, hinter ihr niemand, an zwei, drei Tischchen sitzen Leute und schlürfen Kaffeeheißgetränke, verspeisen Zuckerzeug und unterhalten sich. Man selbst ist in Gedanken schon längst mit dem Kaffee bei der Tür draußen, sitzt mit dem folgenden Interviewpartner ins Gespräch vertieft und geht Fragen und mögliche Antworten durch. Kurz gesagt: Man hat es weder eilig noch interessiert es einen, was sich rundum abspielt.

Ähnlich scheint es den beiden jungen Baristas zu ergehen: Die erledigen ihre Arbeit mit automatisierten Handgriffen, während sie sich in einer Fremdsprache angeregt und laut lachend unterhalten. Während eine der beiden mit einem strahlenden Lächeln das Trinkgeld auf den Tresen legt, meldet sich von hinten und in schroffem Ton ihr Vorgesetzter: "Atenție!“, "Vorsicht!“, mahnt er die zwei auf Rumänisch. Schlimm ist nämlich nicht, dass die Mädchen plaudern; schlimm ist, dass sie es nicht auf Wienerisch tun. Befremdlich.

Birgit Wittstock wundert sich, wie selten Fremdsprachen als Asset gesehen werden


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