Leben ohne Supermarkt: Eine Wiener Bloggerin macht das seit einem Jahr

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

:: Supermarkt? Unnötig. Deshalb geht Anita Bernroitner seit einem Jahr auch nicht dort einkaufen. Ausschlaggebend dafür war eine TV-Dokumentation, in der ein steirischer Landwirt erzählte, dass er seine Äpfel nur zu einem guten Preis an den Handel verkaufen könne, wenn es woanders auf der Welt Ernteausfälle gäbe. Das kann nicht sein, fand Bernroitner, beschäftigte sich mit dem Thema und beschloss, nicht mehr in Supermärkten einzukaufen. Stattdessen besorgt sie Lebensmittel auf dem Bauernmarkt oder in Hofläden. Im Sommer hatte sie am Stadtrand eine Bioparzelle und erntete ihr Gemüse selbst.

Auch vor dem Selbstversuch, den sie via Blog (alternativ-einkaufen.blogspot.co.at) begleitet, war die Soziologin kritische Konsumentin, die versuchte, sich möglichst gesund zu ernähren. Aber geht das auch ganz ohne Industrie und Handel? Ja, sagt Bernroitner. Handelsmarken, auch Bio-, könne man nicht vertrauen: "Vertrauen kann man nur Menschen. Beim Bauern kann man nachfragen.“ Wer ihr Experiment seltsam findet, wird von ihr beruhigt: "Man bekommt ja eh fast alles.“

Obst und Gemüse gibt’s direkt ab Hof oder Marktstand; auch Getreide, Mehl, Nudeln, Eier, Milchprodukte kann man dort kaufen. Ausnahmen wie Kaffee, Zucker oder Gewürze holt die Bloggerin fair im Weltladen. Und der Zeitaufwand? Das Einkaufen selbst gehe schneller als im Supermarkt, erzählt Bernroitner, man müsse halt oft längere Wege zurücklegen und besser planen. Nach ein paar Monaten war Einkaufen jedenfalls Routine. Teurer sei der Supermarktverzicht übrigens auch nicht; vor allem im Sommer. Schwierig sei der Mai gewesen, weil das Wintergemüse aus und das Angebot heimischer Frischwaren noch mager war. "Bei dieser Art der Versorgung gibt es eben nicht immer alles in gleicher Qualität. Da muss man eben improvisieren.“ Das hat Anita Bernroitner gelernt. Sie kann sich nicht vorstellen, jemals wieder in den Supermarkt zu gehen: "90 Prozent von dem, was es dort gibt, braucht kein Mensch.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige