Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Bitte Abstand halten!

Steiermark | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Die Band heißt Frei.Wild, kommt aus Südtirol und spielt Punkrock. Ihre Texte setzen auf Vaterlandsliebe, Blut-und-Boden-Ideologie und Gewaltverherrlichung. Mitunter recht eindeutig ("Jetzt liegst du am Boden / liegst in deinem Blut“), aber auch nebulöser: "Gewisse Themen waren verboten / im Land der Vollidioten / Nimm die Hand vom Mund, sag, was du fühlst.“ Man nennt das Identitätsrock - er spart Neonazistisches aus, um salonfähiger zu sein.

Im Mai soll die Combo in der Grazer Stadthalle, einem Betrieb der Stadt, spielen. Der Sänger, Philipp Burger, war zuvor in der Skinheadband Kaiserjäger. In Deutschland sind Frei.Wild schon länger Thema: Im Spiegel kam eben der Journalist Thomas Kuban, der lange in Neonazikreisen recherchierte, zu Wort: Burger sei der "erste Rechtsrockstar im klassischen Sinne“, er etabliere "Nationalismus und Anti-Antifaschismus als hippe Protestkultur“. Der dringliche Antrag der Grazer Grünen, der Gemeinderat solle sich vom Konzert distanzieren und rechtsradikale Events an städtischen Veranstaltungsorten unterbinden, wurde abgelehnt.

Im Bürgermeisteramt gibt man sich entspannt, der Verfassungsschutz habe die Jungs ja durchgewinkt. Es liege also kein Verstoß gegen das Verbotsgesetz vor. Gewisse Kriterien des Rechtsextremismus erfülle die Band aber, so das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Was tun? Verbieten? Das würde Sympathisanten wohl noch mehr einschwören. Aber sich zu distanzieren, zu sagen, das finden wir hier nicht gut, zeugt nicht von mangelnder Toleranz, sondern beweist Haltung. Und ein Rock-gegen-Rechts-Festival sollte in den Terminkalender der Stadthalle.


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