Fragen Sie Frau Andrea

Wie leiwand ist schnaffte, wie dufte ist knorke

Kolumnen | aus FALTER 10/13 vom 06.03.2013

Liebe Frau Andrea,

neulich beim Abendessen quälten wir uns vergeblich eine Antwort ab, wie die deutschen Ausdrücke "dufte“, "knorke“ und "schnaffte“ zusammenhängen. Die eine Fraktion meinte, das sei alles dasselbe, ein Freund, Exil-Deutscher, verbat sich diese Gleichsetzung. Wie ist das jetzt wirklich?

Fragt Ines Partscheller, Ottakring

Liebe Ines,

für Berliner mit Schnauze ist seit jeher klar: Knorke ist dreimal so dufte wie schnaffte. Alle drei dürfen als Synonyme für verschiedene Graduierungen von "gut“ verstanden werden, entsprechen also unserem wienerischen "leiwand“. Schnaffte dürfte über das Slawische der indoeuropäischen Wurzel sneubh - freien, heiraten, eigentlich zusammendrehen, knüpfen - entstammen. Dufte kommt trotz seiner germanischen Anmutung über die sehr ähnlich lautenden und synonym verwendeten Wörter toffte und toff vom jiddischen tow, gut. Es steckt im Wunsch masel tov, so viel wie gutes Glück.

Über knorke, die Königin der Berliner Gutfinde-Trias, schrieb Kurt Tucholsky alias Peter Panter im Oktober 1924 in der Vossischen Zeitung, im Nachruf auf den damals schon angegrauten Superlativ: "Die Knorkitis wütete. Alles war knorke: Essen, Frauen, Börsengewinste, (…) Anzüge, Renntips und Kinogrößen.“ Tucholsky wirft eine Nebelgranate, indem er einen sonst unauffindbaren General Knorck (1719-1786), Reiteroffizier Friedrichs des Großen, als ihm unwahrscheinlichen Knorkequell beschreibt, ansonsten aber vermutet, das Wort sei über das mittelhochdeutsche knorricht, von Knorz abgeleitet, das so viel bedeutet wie Knorren, also Verdickungen, Knubbeln zu haben.

Großer Verdienste um die Konjunktur des Modewortes knorke wird die Berliner Kabarettkönigin Claire Waldoff, geborene Clara Wortmann bezichtigt. 2010 sprach der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt, geboren und aufgewachsen in Hamburg, in einer Sendung mit Sandra Maischberger über Wörter seiner norddeutschen Kindheit - unter anderem über knorke. In einem Radiointerview bei WDR5 im Oktober 2011 vermutete er, der Begriff wäre in der Zwischenkriegszeit populär geworden durch ein beliebtes Nilpferd im Berliner Zoo.

Hier irrt Schmidt. Das legendäre Nilpferd dort hieß Knautschke. Knorke hingegen hieß ein anderer Dicker: der Gorilla.


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