Schulexkursion: das TiB bringt das "Lehrerzimmer 8020" ins Schauspielhaus

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Im Frühjahr wurde vom Theater im Bahnhof die Stadt kartografiert, rund um ihren (fiktiven) Alexanderplatz, im Sommer (er)fand man in der obersteirischen Landfluchtzone den Friedhof der Eigenheime. Nun hat sich das TiB im Schauspielhaus den Kosmos Schule vorgeknöpft. Den Mikrokosmos Lehrerzimmer, verortet in Graz 8020, wo man sich noch mehr als sonstwo abmüht, Anmeldungen zu kriegen. Sagen wir zum Beispiel: durch interdisziplinäre Projektideen, die dann einem Virus gleich den angeschlagenen Schulgeist in die Krise treiben. Mit der Schule hat sich des Landes liebstes Volkstheater für ein Sujet entschieden, das Material fürs Tragikomische jeder Schattierung bietet. Aber das TiB und sein Autor Lorenz Kabas bauen in "Lehrerzimmer 8020" (23. und 24.3,20 Uhr) nicht auf Ressentiments, Ferienneid oder Vergangenheitsbewältigung für Ex-Gymnasiasten, sie landen irgendwo zwischen trotzdem und komisch. Mitten im Leben also. Virtuos (und musikalisch verstärkt durch Albrecht Klinger und Norbert Wally) verzweifeln die Lehrerinnen und Lehrer Jacob Banigan, Beatrix Brunschko, Elisabeth Holzmeister, Simon Käser, Florian Köhler, Franz Solar und Martina Zinner. An der Schule, den Schülern, an Österreich (der Native Speaker), sich selbst und Direktorin Monika Klengel. Damit amüsieren sie nicht nur das Publikum, sondern auch Pia Hierzegger, Juliette Eröd und Seyneb Saleh, die als Sirenen-Chor die Direktorin in die Irre führen. Sprichwörtlich. Mit geübtem Händchen legt Regisseur Helmut Köpping seine Figuren als sensibel gezeichnete Karikaturen an - und die Finger auf das eine oder andere Hämatom, das wirklich weh tut.


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