Das große Grab am Grundlsee

Literatur | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Gustav Ernst hat einen Familienroman geschrieben. Das Überraschende: Er ist nicht grauslich, sondern einfühlsam

Wenn gleich auf den ersten Seiten eines Prosatexts von Gustav Ernst Kinder auf ihrem Vater herumtollen, dann rechnet man als Ernst-Leser schon mit dem Schlimmsten. Zu genau haben sich einige Bilder aus seinem letzten Roman "Beste Beziehungen“ (2011), einem nichts auslassenden Rundumschlag über den Missbrauch von Machtverhältnissen in einer kaputten Gesellschaft, ins Gedächtnis eingebrannt.

Was in diesem Buch an seelischer und körperlicher Gewalt explizit geschildert wurde, war nichts für zartbesaitete Leser. Nun galt der Wiener Prosaautor und Dramatiker (Jg. 1944) allerdings noch nie als Freund der besonders feinen Klinge. Schon sein Theaterdebüt trug den schönen Titel "Ein irrer Hass“.

Was angesichts seiner Neigung zum Kraftausdruck mitunter übersehen wird, ist, dass Ernst zumeist einfach nur präzise beobachtet und wiedergibt, wie die Lage des Landes sich in den einzelnen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige