Ein Hotel am Meer in Südfrankreich und die erträgliche Leichtigkeit des Seins

Literatur | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Allmählich füllte sich die Terrasse mit Menschen, späte Gäste gingen vorbei, Langzeitschwimmer, Taucher mit ihrer Ausrüstung, Picknickleute, Romantiker, die nur die Sonne angeschaut hatten (…). Man hörte das Meer jetzt in den Abendstunden nicht, man hörte nur, wenn jemand sich hineinwarf in die Wellen.“

Ein Sommer in einem Hotel im südfranzösischen La Ciotat: Nichts passiert, zumindest nichts Weltbewegendes; Reisebusse kommen an und fahren wieder ab, die täglichen Gewohnheiten von Dauergästen werden dem Personal mit der Zeit vertraut, ein Karussell wird angeschafft, man bestaunt die schönen Teppiche an den Wänden und kommt darüber mit dem Geschäftsführer kurz ins Gespräch.

Letzterer hört auf den Namen Reymont und bildet das stille Zentrum von Christine Pitzkes melancholisch-leichtem Roman "Im Hotel der kleinen Bilder“. Eines Tages hat er, ohne Vorankündigung, Frau und Kind verlassen und hier im Hotel angeheuert. Der Mann verbirgt kein großes Geheimnis, er genießt es einfach, "ein Eremit inmitten vieler Eremiten“ zu sein.

Da sind weiters Frau Ines Hoegner, eine deutsche Lehrerin, die nach einem Giftattentat wieder zur Normalität zurückfinden will; Olga, ein Mädchen, das als Einzige ihrer Familie einen Autounfall überlebt hat; die zupackende Silvie und der schrullige Mathematiker Paul, die ein ungleiches Paar bilden. Eine Gemeinschaft, die durch Zufälle zusammengewürfelt wurde - und die es weit schlechter hätte treffen können. Ein Buch, das man sich am besten für den Sommerurlaub aufhebt.

Christine Pitzke: Im Hotel der kleinen Bilder. Jung & Jung, 158 S., € 17,90


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