Sozialer Aufstieg unter Einsatz des Körpers

Literatur | Anja Hirsch | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Saphia Azzeddines "Zorngebete“ ist ein schonungsloser Roman über eine kämpferische junge Muslimin

Es ist heiß in Tafafilt, einem winzigen, ärmlichen Dorf irgendwo in einem arabischen Land, vielleicht in Marokko. Hier wohnt Jbara mit ihrer Familie in einem Ziegenlederzelt und hütet Schafe. Wenn sie ihrem Vater sagt, es sei zu heiß, schlägt er sie - wegen Gotteslästerung. Allah, sagt er, mache das Wetter. Wie kann man sich da über seine Schöpfung beklagen?

Jbara beherrscht noch ganz anderes Vokabular. Da würde ihr Vater sich wundern, hörte er, wie sie uns Lesern gegenüber mit Feuer und provozierender Direktheit erzählt: von ihren Treffen mit Milhoud, der stinkt, weil er sich nie wäscht, der sie aber mit Granatapfeljoghurt bezahlt; von ihren drei Leben, in die sie uns mitnimmt, nachdem, wie im Märchen, von einem vorbeifahrenden Touristenbus ein rosa Koffer heruntergefallen ist - mit Geld für die Flucht aus diesem Dorf.

Denn inzwischen ist ihre Schwangerschaft unübersehbar,


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