Idealist, Satiriker und "Hofnarr des Lebens“

Alfred Pfoser | Sachbuch | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Kulturgeschichte: Bernhard Viels Egon-Friedell-Biografie wird dem großen Wiener Kulturhistoriker nicht gerecht

Egon Friedell hat jede Menge Konkurrenz bekommen. Als es noch keine Cultural Studies gab, als sich die zünftige Geschichtsschreibung, die Ausstellungsgestalter und Germanisten, Philosophen oder Ethnologen noch nicht in die Historiografie des Alltags, der Dinge, der psychischen Befindlichkeiten oder der intellektuellen Moden vorwagten und nach Belieben Verbindungen herstellten, konnte Egon Friedells im Umfang monströse "Kulturgeschichte der Neuzeit“ (1927-1931) leichter punkten und überzeugen, hatte sie in vielerlei Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal.

Allenfalls kann sie auch heute Stärken ausspielen, die bereits in ihrer Entstehungszeit gerühmt wurden und viele, viele Leser überzeugten: die feuilletonistische Leichtigkeit, die gute Lesbarkeit, ihr Hang zu gut gewählten Anekdoten, ihre Nähe zum subjektiv eingefärbten Roman, gleichzeitig auch ihre Nutzbarkeit als Enzyklopädie.

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