Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Alles anders

Falter & Meinung | aus FALTER 11/13 vom 13.03.2013

Was wir schon alles hatten vor 20 Jahren! Zum Beispiel ein Pro-und-Contra zum Thema Rauchen im öffentlichen Gelände. Dagegen: Kollege Bernhard Odehnal ("Rauchen sollte zur unerwünschten Handlung in der Öffentlichkeit abgestempelt werden. Kollege Vašek kann an seinem Lungenkrebs ja zu Hause weiterarbeiten“). Dafür: selbstverständlich Kollege Thomas Vašek ("Prohibition ist immer unsinnig, ob bei Haschisch oder Nikotin … Und Odehnal? Den werd ich fortan mit einem Seidl kompensieren, wenn er mich mit einem Tschick im Zimmer erwischt“).

Historisch hat Odehnal gewonnen, wir wissen es, obwohl es damals nur um ein Tabakgesetz ging, das Plakatwerbung für Nikotin und starke Zigaretten wie die Johnny ohne Filter - Gott hab sie selig! - verbot. Aber bei jeder Redaktionssitzung freue ich mich darüber, was ich heute noch alles sagen darf.

Nicht nur eine Raucherdebatte hatten wir im Falter, auch eine Heeresdebatte. Vašek und Thomas Seifert beschrieben in ihrer Geschichte, wie die Zivildiener "mit den Füßen über die allgemeine Wehrpflicht“ abstimmten. In einem Kommentar erklärte Anton Pelinka der Linken, warum sie trotz ihrer historischen Bedenken ("Die Kanonen, die sich 1934 auf den Karl-Marx-Hof richteten, wurden von Berufssoldaten bedient“) ihre Ansicht ändern und sich für ein Berufsheer entschließen sollten. Manche Einsichten setzen sich eben doch ein wenig langsamer durch.

Dass sich anderes doch ändert, zeigte ein Satz, den Nationalratspräsident Heinz Fischer in einem Interview zum gerade stattfindenden Noricum-Prozess sagte (angeklagt unter anderen: Fischers Parteigenossen Fred Sinowatz und Karl Blecha). Es ging um die Empfindlichkeit der Justiz, die sich hierzulande, anders als im angelsächsischen Raum, nicht gern kritisieren lasse. Dennoch, sagte Fischer, müsse es eine dissenting opinion geben. "In Österreich scheut man da die Diskussion, und der Begriff der Majestätsbeleidigung aus der Monarchie hat sich nirgends so lebendig erhalten wie im Bereich der Justiz.“ AT


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